Beginnlosigkeit

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In seinem Buch Beginnlosigkeit (1992 bei Hanser erschienen) reflektiert der in den 80ern durch seinen "anschwellenden Bocksgesang" in Verruf geratene Autor Botho Strauß Erkenntnisse der Kosmologie und des radikalen Konstruktivismus. Auf der Grundlage von Hoyles 'Steady-State-Theorie' verwebt Strauß Philosophisches, Kosmologisches, Ethisches, Ästhetisches und Kunst zu einem zunächst verworren wirkenden Textprodukt.

Wer sich aber tiefergehend mit den dahinterliegenden Themen befaßt, begegnet trotz der Strukturlosigkeit des stark fragmentarischen Schreibens von Strauß seiner nachhaltigen Konsequenz: Sein Text selbst scheint beginnlos und auch endlos zu sein. Er wird lediglich durch eine dünne aber gleichmäßige Rahmenstruktur zusammengehalten, die über den kognitiven Befindlichkeitszustand eines namenlosen männlichen Protagonisten referiert, der verzweifelt versucht sich mit seiner Existenz auseinanderzusetzen und den Schrecken der Erkenntnis zu verarbeiten, dass es keinen existentiellen Anbeginn mehr geben soll. Der Leser wird plötzlich von unauflösbaren Fragen nach dem Sein umringt, dann aber gibt es wieder kleine Anker die einen von einem zum nächsten Gedanken führen. Die Vernetzung und Verdichtung der Themen und Gedankensprüngen halten dieses unorthodoxe Werk doch in sich zusammen und machen es zu einem stark intellektuellen und philosophischen Lesevergnügen.

Botho Strauß: Beginnlosigkeit. Reflexionen über Fleck und Linie. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1997, ISBN 3423123583

Mit der 'Steady-State-Theorie' oder auch der Theorie über ein stationäres Universum versuchte Hoyle Ende der 60er die Urknalltheorie des 'Big Bang' zu widerlegen. Erst ab 1980 ließ das Interesse an der Steady-State-Theorie nach, da diese nicht in der Lage war, die kosmische Hintergrundstrahlung ausreichend erklären zu können. Die Big-Bang-Theorie setzte sich durch.

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