Bernhard Minetti

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Bernhard Minetti (* 26. Januar 1905 in Kiel; † 12. Oktober 1998 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler.

Der in Kiel geborene Minetti war Sohn einer italienischen Familie, die im 19. Jahrhundert aus dem norditalienischen Ort Crusinallo, an der Nordspitze des Lago di Orta, nach Deutschland einwanderte. Der Weg zum Theater führte bei ihm über das Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft in München. Hier bekam er Gelegenheit, die Aufführungen der Münchner Kammerspiele unter Hermine Körner und die Arbeiten von Regisseur Hans Schweikart unter Studiengesichtspunkten zu begutachten. In diesen Jahren zwischen 1923 und 1925 bildete sich der Wunsch, Schauspieler zu werden.

Als der Intendant des Berliner Staatstheaters Leopold Jeßner ankündigte, eine Schauspielschule, am Theater angeschlossen, zu eröffnen, sprach Minetti vor und wurde genommen. Jeßner wurde Minettis Ziehvater. Doch bevor seine große Zeit am Theater beginnen konnte, musste er in Engagements in die Provinz. 1927 bis 1930 spielte er zahlreiche Rollen an den Theatern in Gera und Darmstadt. Von 1930 bis zum Kriegsende 1945 war er am Staatstheater in Berlin engagiert. Er spielte unter Jürgen Fehling und Gustaf Gründgens neben Werner Krauß und Käthe Gold die großen Rollen, die die Klassik zu bieten hat und war einer der großen Theaterstars der 1930er Jahre in Berlin. Für den Film interessierte Minetti sich nicht sehr. So bietet der Film Tiefland von Leni Riefenstahl eine der wenigen Möglichkeiten, den noch jungen Bernhard Minetti heute zu sehen. Ein weiterer Filmtipp ist die 1931 entstandene Verfilmung von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, wo Minetti an der Seite von Heinrich George zu sehen ist.

Nach dem Krieg wurde er oft angefeindet als Sympathisant des Nazi-Regimes, der unter Hitler und Goebbels Karriere gemacht hatte. Trotzdem sollte er schon bald wieder an Theatern engagiert sein. Er begann den Neuaufbau wiederum in der Provinz. Zunächst in seiner Heimatstadt Kiel, dann über Hamburg, Frankfurt am Main und Düsseldorf zurück ans Schillertheater nach Berlin.

Hier wurde der nun reife Schauspieler zu einem der großen Charakterköpfe des deutschen Theaters. In den 1970er Jahren spielte er die großen Thomas Bernhard-Rollen in den Uraufführungen seiner Stücke und sorgte damit für die große Popularität des österreichischen Dramatikers, der dem Schauspieler dann auch ein Stück widmete mit dem Titel Minetti. Sein Regisseur für die Bernhard-Stücke war Claus Peymann in Stuttgart und am Schauspielhaus Bochum.

Minetti blieb bis zur Schließung des Schillertheaters dessen Ensemblemitglied. Noch im hohen Alter von über 80 Jahren wurde er arbeitslos und erhielt im Berliner Ensemble seine letzte künstlerische Heimat. Seine letzte eindrucksvolle Rolle am Berliner Ensemble war die des Lehrers von Arturo Ui in Heiner Müllers Inszenierung von Bertolt Brechts Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. Nach seinem Tod wurde diese Rolle von Marianne Hoppe übernommen; ihr folgend von Michael Gwisdek.

Bernhard Minetti ist der Vater der Schauspieler Hans-Peter Minetti (*1926) und Jennifer Minetti (*1940).

Literatur

Minetti, Bernhard: Erinnerungen eines Schauspielers. - Stuttgart : Deutsche Verlags-Anstalt, 1985






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