Biedermann und die Brandstifter

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Biedermann und die Brandstifter ist eine Burleske von Max Frisch, die zwischen 1948 und 1954 entstand. 1958 wurde das Theaterstück uraufgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der Kleinbürger und Opportunist Gottlieb Biedermann gewährt einem Hausierer Asyl auf seinem Dachboden. Er erkennt, dass der Asylant Schmitz mit seinem Bekannten Willi auf dem Dachboden plant, ein Feuer zu legen. Er ist jedoch so willensschwach, dass er sich dem Plan der Brandstiftung nicht widersetzt, sondern schließlich mit seiner Frau Babette im Haus verbrennt.

Epoche

„Biedermann und die Brandstifter“ ist ein typischer Vertreter der Nachkriegsliteratur (ca. 1945-1960). Mit Friedrich Dürrenmatt gehört Max Frisch zu den wichtigsten Vertretern der schweizerischen Literatur dieser Epoche. Die zentralen Themen seines Werkes „Biedermann und die Brandstifter“ sind vor allem die Selbstentfremdung und das Ringen um die Identität.

Max Frisch hatte die Idee vom Buch „Biedermann und die Brandstifter“ bereits im Jahre 1948, kurz nach dem Umsturz in der Tschechoslowakei, aus dem die ČSSR als Volksrepublik hervorging. Das ist wohl der ursprüngliche politische Hintergrund des Stückes. Dazu kommt, dass dieses Stück sich indirekt stark mit der Zeit des Nationalsozialismus befasst, da es sich in der gleichen Epoche abspielt, in der Adolf Hitler in Deutschland an die Macht gekommen ist. Diese Zeit ist vor allem bekannt für die Unmündigkeit und mangelnde Zivilcourage der Bürger, welche sich als Mitläufer auch zu Schuldigen machen und sich am Ende versuchen selbst zu beruhigen.

Max Frisch brauchte 6 Jahre zur Vollendung des Dramas. Er hat jedoch auf einen konkreten Zeitbezug verzichtet: Das Werk kommt ohne zeitgebundene Anspielungen aus, was eine Vielzahl von verschiedenen Interpretationen ermöglicht.

Gattung

Von den verschiedenen Frisch-Dramen ist „Biedermann und die Brandstifter“ das knappste und konsequenteste von allen. Das Drama duldet keine Abschweifungen und Aufweichungen. Die Biedermanns werden während der ganzen Geschichte als feige Mitläufer dargestellt, die weder Fantasie noch Anpassungsfähigkeiten besitzen. Doch erst ihr Egoismus macht es überhaupt möglich, die Voraussetzung zu bilden, damit die Brandstifter ohne grosse Mühe ihrer Arbeit und ihrem Ziel entgegen kommen.

Dieses Stück ist eine Mischung aus humoristischen und komischen Elementen mit tragischem Thema und Ende. Es ist eine dichterische Gestaltung eines Geschehens durch Personen mit ihren unverkennbaren zugeordneten Rollen. Die Erzählungen der Dialoge enthalten eine grosse Spannung, welches das Grundelement einer dramatischen Geschichte ausmacht.

Charakteristiken

Gottlieb Biedermann, Chef einer Haarwasserfabrik

Herr Biedermann ist ein ehrgeiziger Geschäftsmann, der nach Ansehen und Beliebtheit strebt. Er denkt bei den meisten Katastrophen zuerst daran, wie er sich selbst damit einen Vorteil verschaffen könnte, später will er nichts mehr damit zu tun haben. Auf der einen Seite ist Herr Biedermann eine willensschwache Person, die sich mit stärkeren und mächtigeren Parteien verbündet. Andererseits verkörpert er einen korrekten Menschen, der grossen Wert darauf legt, von anderen Menschen als mitfühlend und barmherzig angesehen zu werden. Wie der Name es jedoch bereits verrät, ist er in Wahrheit ein profitgieriger, egoistischer Kapitalist, der nur dort stark ist, wo er weiss, dass seine Anweisungen ohne Widerworte akzeptiert und ausgeführt werden: nämlich bei sich zu Hause.

Babette, Biedermanns Frau

Babette ist die Ehefrau von Herrn Biedermann und eine pflichtbewusste Hausfrau. Sie wirkt ängstlich und schüchtern und wagt es nicht, ihre eigene Meinung richtig zu präsentieren und ernergisch zu vertreten, erscheint jedoch sympathischer als Herr Biedermann. Der Charakter ist bei ihr jedoch genauso schwach wie bei Herrn Biedermann selbst. Sie ist nicht so verlogen wie Biedermann und gibt ihre Ängste offen zu erkennen.

Josef Schmitz, der Ringer

Josef Schmitz ist ein großer, stämmiger Mann, welcher arbeitslos sowie obdachlos ist. Er gibt sich Herrn Biedermann gegenüber sentimental, um Mitleid zu erwecken. Er war früher ein Ringer in der Schwergewichtskategorie, was man an seinem Körperbau sehr gut erkennen kann. Immer wieder betont er, dass man sich wegen ihm bloß keine Umstände machen soll und gibt sich als unschuldigster Mensch auf Erden aus. Trotzdem ziert er sich nicht, verschiedenste Wünsche zu äußern. Sein Benehmen ist schlecht, was er selbst damit rechtfertigt, dass er der Sohn eines Köhlers ist und in Armut aufgewachsen ist. Als Herr Biedermann später jedoch durch Dr. Phil erfährt, dass Herr Schmitz früher aus purer Lust und Laune Brände gelegt hat und dafür auch eine gewisse Zeit lang im Gefängnis verbrachte, jagt ihm das doch ein wenig Angst ein, denn diese Information zerstörte seine Vorstellungen von Herrn Schmitz.

Willi Eisenring, der Ex-Knacki

Willi Eisenring gibt sich als vornehmer Herr, welcher immer einen Frack trägt, gehört aber auch zu den Brandstiftern. Er war früher einmal Kellner, daher hat er wahrscheinlich sein vornehmes Benehmen, ist nun jedoch, genau wie Herr Schmitz, auch arbeits- und obdachlos. Auch Herr Eisenring war bereits im Gefängnis, wo er Herrn Schmitz kennen gelernt hat. Bei Streitigkeiten zwischen ihm und Herrn Schmitz hört sich es genau so an, als ob der Vater mit seinem Sohn spräche. Herr Eisenring hat ein sehr gutes Benehmen, was auf Herrn Biedermann einen beruhigenden Einfluss hat. Aus diesem Grund kommt Herr Biedermann auch nicht auf den Gedanken, dass er und sein Kollege Schmitz gefährliche Brandstifter sein könnten.

Anna, das Dienstmädchen

Anna ist das Dienstmädchen bei den Biedermanns. Sie ist eine sehr pflichtgetreue Person. Sie macht, was immer man ihr befiehlt, und hilft, wo sie nur kann. Ansonsten ist sie sehr leblos, scheu und zurückhaltend. Sie ist das perfekte Dienstmädchen für die Biedermanns.

Dr. Phil, ein Intellektueller

Dr. Phil ist ein Intellektueller, mit später Einsicht. Er bemerkt die Benzinfässer und erkennt deren Gefahr, realisiert jedoch nicht, dass die Kollegen Eisenring und Schmitz nicht wegen einer angeblichen Ideologie die Fässer herbeischafften, sondern mit der bösen Absicht Brände zu legen und aus purer Freude an der Zerstörung dies taten.

Der Chor, bestehend aus Feuerwehrmännern

Der Chor der Feuerwehr hat in der Art des antiken Chors die wichtige beschreibende und mahnende Funktion, den Zuschauer auf die bevorstehenden Ereignisse oder Tatsachen aufmerksam zu machen. Er symbolisiert das Gewissen von Herrn Biedermann.

Konflikt

Das Buch „Biedermann und die Brandstifter“ ist ein Paradebeispiel für die politische Dummheit des Bürgers. Er ist zu bequem und zu ängstlich um gegen die Mächtigeren anzutreten, weil er große Angst von den möglichen Konsequenzen hat. Aus diesem Grund hat Max Frisch dem Buch auch den Untertitel „Lehrstück ohne Lehre“ gegeben. Am Anfang will Biedermann dem Hausierer Schmitz kein Asyl gewähren, doch er erlag immer wieder den Schmeicheleien, mit dessen Schmitz Biedermanns Egoismus, sein Misstrauen und sein schlechtes Gewissen gekonnt zu manipulieren wusste. Als er dann erst einmal Asyl hatte, gab er auch ganz offen zu, was er vorhat und erklärte ihm präzise seinen Plan. Doch in seiner Naivität und Feigheit fasst Biedermann alles als Scherz auf und duldet es. Was nicht sein darf, das wird auch nicht so sein, denn ihm würde das nie passieren, dass jemand in seinem Hause Feuer legen würde. Er hat die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen und will das Schreckliche nicht wahrhaben.

Max Frisch stellt einen durchschnittlichen Bürger dar, der ein schlechtes Gewissen hat. Er möchte jedoch ein gutes haben, ohne dabei irgendetwas zu verändern. In diesem Dilemma ist Biedermann die ganze Zeit gefangen. Max Frisch nennt sein Buch "Ein Lehrstück ohne Lehre". Er deckt in ihm Missstände auf und weist auf die Notwendigkeit einer Änderung hin, zeigt aber nicht selbst eine konkrete Lösung auf. Er überlässt diese den Lesern und fordert sie somit zum Nachdenken auf.

Vergleich mit Hitler

Dieses Buch kann man mit dem Vorgehen von Hitler vergleichen. Auch er hatte schon vor Beginn seiner politischen Karriere seine Absichten erwähnt (siehe z.B. Mein Kampf). Deutlich genug hat er den Nationalsozialismus proklamiert und die Juden an den Pranger gestellt. Macht, Krieg, Vorherrschaft und Ausrottung der Juden waren sein Programm. Trotzdem haben viele Bürger und Politiker ihm seine schrecklichen Taten nie zugetraut, denn sie waren zu feige oder zu egoistisch, um es zu glauben. Allzu oft versuchte man, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, aber die Lunte war bereits gelegt. Viele hatten sich mit dem System des Dritten Reiches arrangiert, genau wie Biedermann, als er Eisenring dabei hilft die Zündschnur zu vermessen. Zu spät erst hat Biedermann die Wirklichkeit wahrgenommen.

Vergleich mit der Atombombe

Auch zur Atombombe kann man eine gewisse Parallele sehen. Biedermann akzeptiert die Fässer voller Benzin auf dem Dachboden, weiß von der möglichen Gefahr, welche von ihnen aus geht und denkt sich dennoch nichts Böses dabei. Eine gewisse Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit verhinderte ein klares Erkennen und Verhindern der Gefahr. Auf die heutige Gesellschaft lässt sich dieses Schema übertragen. Auch wir wissen von der Existenz der Atombomben und deren Zerstörungskraft. Trotzdem dulden wir sie und denken uns nichts dabei. Wir vertrauen vielleicht aus Bequemlichkeit zu sehr den verantwortlichen Behörden und Institutionen.

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