Charlotte Buff

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Charlotte Sophie Henriette Buff (* 11. Januar 1753; † 16. Januar 1828 in Hannover), war das Vorbild der Lotte in Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werther" und das zweite von sechzehn Kindern des Wetzlarer Amtmanns Heinrich Adam Buff.

1768 verlobte sie sich mit dem hannoverschen Legationssekretär Johann Christian Kestner. Goethe lernte sie auf einem Tanzfest kennen: Am 9. Juni 1772 veranstaltete Goethes Großtante Lange einen Ball, vermutlich wegen des Geburtstages von Karoline Buff, der älteren Schwester von Charlotte, und der bevorstehenden Verlobung Karolines mit dem Sohn von Frau Lange, Dr. jur. Christian Dietz. Zu diesem Ball sollte Goethe Charlotte Buff abholen. Er umwarb zu der Zeit eigentlich die 17jährige Johannette Lange, die er im Werther ein hiesiges gutes, schönes, übrigens unbedeutendes Mädchen (Werther) nennt. Doch sobald Goethe Charlotte kennengelernt hatte, war Johannette vergessen. Lotte bezauberte ihn sowohl durch ihre äußerliche Erscheinung als auch durch ihre offene Art. Wie im Werther beschrieben, tanzte er den ganzen Abend mit ihr, und wie Lotte die Festgesellschaft während des Gewitters mit einem Spiel ablenkte, imponierte ihm sehr.

Nicht, wie im Werther geschildert, am Tag des Balls, sondern erst am Tag darauf, fand die "reizende Szene" im Hause Buff statt, die Goethe so begeisterte. Als Goethe wieder auf den Deutschordenshof kam, war Lotte gerade dabei, ihren Geschwistern das Brot zu schneiden. Diesen Anblick verewigte F. Raab in einem Gemälde nach einem Kupferstich von W. von Kaulbach, das im Lottehaus zu sehen ist. Goethe schildert das Erlebnis im Werther mit den Worten:

Welch eine Wonne das für meine Seele ist, sie in dem Kreise der lieben, muntern Kinder, ihrer acht Geschwister, zu sehen! (Werther).

Seit dem frühen Tod der Mutter ein Jahr zuvor führte Lotte den väterlichen Haushalt mit Heiterkeit und Temperament und versorgte ihre neun jüngeren Geschwister. Sie war die zweitälteste Tochter und besser für dieses verantwortungsvolle Amt geeignet als ihre ältere Schwester Karoline. Auch mit den Geschwistern Lottes verstand Goethe sich bald sehr gut. Selbst zu Kestner, dem Verlobten Charlottes, hatte er nach dessen Rückkehr ein sehr gutes Verhältnis, er behauptet im Werther sogar, dass er Albert nach Lotten das Liebste auf der Welt gewesen sei. Dennoch belastete Goethe die Aussichtslosigkeit einer Beziehung zu Lotte so sehr, dass er Wetzlar wieder verließ. Unfähig, Zuneigung und Eifersucht zu zügeln, verläßt Goethe nach einem brieflichen Abschied von beiden Wetzlar und verarbeitet die Trennung literarisch im 1774 erschienenen Briefroman Werther.

Charlotte heiratet Kestner 1773 und hat weiter brieflichen Kontakt mit Goethe, der ihren Söhnen (u.a. August Kestner) behilflich ist. Charlotte Buff lebt literarisch außerdem in Thomas Manns 1939 erschienenen Roman Lotte in Weimar fort, der die Begegnung der beiden im September und Oktober 1816 beschreibt. Ihr Grab befindet sich auf dem Gartenfriedhof in Hannover. Das klassizistische Grabdenkmal stammt vom Ehemann ihrer Enkelin, dem hannoverschen Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves.


Literatur

  • Rahmeyer, Ruth: Werthers Lotte. Ein Brief, ein Leben, eine Familie. Die Biographie der Charlotte Kestner. Hannover: Fackelträger-Verlag 1994. ISBN 3-7716-1575-5 - Taschenbuch-Ausg.: Werthers Lotte. Goethes Liebe für einen Sommer. Die Biographie der Charlotte Kestner. Frankfurt am Main, Leipzig: Insel-Verlag 1999. (Insel-Taschenbuch. 2272) ISBN 3-458-33972-8
  • Gero von Wilpert: Goethe-Lexikon, Kröner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-40701-9, S.151f.
  • Goethes Lotte. Ein Frauenleben um 1800. Essays zur Ausstellung [in Wetzlar, Weimar und Hannover 2003.] Red. Ulrike Weiß (u.a.). Hannover 2003. (Schriften des Historischen Museums Hannover. 21) ISBN 3-422-06433-5
  • Und immer wieder der gute alte Tommie mit seinem unvergänglichen Schmöker: Mann, Thomas : Lotte in Weimar. Roman. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag 1994. (Fischer Taschenbuch. 9432) ISBN 3-596-29432-0

Weblinks


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