Denken

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Unter Denken werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer aktiven inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen suchen.
Die innere Aktivität besteht aus dem Verknüpfen (Assoziation) oder bewusstem Entkoppeln der Gedankeninhalte, der Ideen, sowie deren Umformungen. Oft basiert das Denken auf einem Einfall, oder wird spontan durch Gefühle bzw. Situationen, aber auch durch Sinneseindrücke oder Personen ausgelöst (oder auch abstrakt konstruktiv Entwickelt).

Inhaltsverzeichnis

Denken und Intelligenz in der kognitiven Psychologie

Kognitive Psychologie

In der kognitiven Psychologie wird Denken als eine Mischung aus Gedächtnisleistung und logisch abstrakter Symbolverarbeitung angesehen. Die Gedächtnismodelle versuchen den ersten Faktor zu verstehen.

Das menschliche Gedächtnis ist nicht unbegrenzt. Experimente zeigen sehr deutlich, dass ein Mensch gleichzeitig etwas 7 +/- 2 Objekte gleichzeitig miteinander in Verbindung setzen kann (je nach Grad der Intelligenz). Steigt die Anzahl, so wächst die Fehlerrate enorm an.

In einer Reihe moderner so genannter kognitiver Architekturen werden u.a. Denk- und Problemlöseprozesse simuliert. Die bekanntesten Vertreter sind die ACT-Theorie von Anderson, SOAR-Theorie von Newell und die PSI-Theorie von Dietrich Dörner.

Denken als Problemlösen

Ein Problem besteht, wenn von einem gegebenen Ausgangszustand aus ein gewünschter Zielzustand nicht ohne weiteres erreicht werden kann. Die zwischen Ist- und Soll-Zustand liegende Barriere muss durch Einsatz von Hilfsmitteln (sog. Operatoren) beseitigt werden. Hierzu sind Denkprozesse erforderlich.

In diesem Kontext werden im Unterschied zu Intelligenztests komplexere Aufgaben verwendet, wie z.B. der Turm von Hanoi, oder computersimulierte Problemlöseszenarien.

Die Hauptkategorien des Denkens, bewußtes und un- oder vor-bewusstes Denken sind beim Problemlösen nicht zu trennen. Jedem bewussten Denkprozess gehen unbewusste Denkschritte voraus. Viele Erkenntnisse "reifen" unbewusst, in einer Phase der Entspannung, wenn man sich von dem Problem distanziert hat. Etliche große wissenschaftlichen Einsichten kamen den Forschern quasi im Schlaf oder "aus heiterem Himmel".

Denken und Entwicklungspsychologie

Denken hat teilweise mit Wissen und mit Erfahrung zu tun. In der Entwicklungspsychologie wird unter anderem erforscht, wie Kinder lernen, kausale Zusammenhänge zu erkennen. Dieses "Kausalitätswissen" wächst oft durch gegenständliches Erleben und Denken - z.B. wenn ein Körper einen anderen anstößt.

Das gegenständlich-kausale Denken eines Kindes ist ab etwa 9 Monaten zu bemerken; ihm geht eine Phase der "Prä-Kausalität" voraus. Ähnlich scheint es mit den oben erwähnten assoziativen Denkvorgängen zu sein. Mit etwa 3 Jahren wird auch abstrakte Kausalität einsichtig, doch sind Fehler im logischen Denken oft "resistent" (bleiben lange bestehen), was allerdings auch beim Erwachsenen vorkommt (vgl. die Forschung von Jean Piaget.

Wenn Kleinkinder lernen, z.B. einzelne Elemente oder Bausteine zu gruppieren, werden mit zunehmender Übung die Effekte logischer Operationen merkbar. Zunächst konzentrieren sie sich auf ein Merkmal, später auf wenige Merkmale. Die Logische Multiplikation - z. B. als kombiniertes Beachten von Form und Farbe - gelingt erst mit einigen Jahren, wird aber durch Zufallserlebnisse gefördert.

Verschiedene Versuche - unter anderem mit Behinderten - widersprechen den häufig geäußerten Annahme, dass Kinder alternative Denkweisen hätten. Wieviel des kindlichen Wissens "angeboren" ist, und ob ihre begriffliche Denkstruktur jener von Erwachsenen entspricht, wird derzeit intensiv untersucht.

Eine umfangreiche Darstellung der Entwicklung des Denkens bei Kindern findet sich in [1]

Denken und Sozialpsychologie

vgl. Sozialpsychologie und Soziale Kognition

philosophische Erwägungen

Ganz allgemein wird das Denken oft als Informationsverarbeitung in einem Nervensystem angesehen. Diese Vorstellung vernachlässigt allerdings die notwendige Unterscheidung zwischen physiologischen Abläufen im Gehirn einerseits und den Vorgängen in der phänomenalen Welt des Menschen andererseits, die zwar mit diesen physiologischen Abläufen verbunden, aber damit nicht identisch sind. Mit dieser, oft auch als Leib-Seele-Problem bezeichneten Fragestellung wie überhaupt mit dem Denken und insbesondere mit dem produktiven Denken befasst sich vor allem die Gestalttheorie bzw. Gestaltpsychologie.


Denken als wortlose Sprache?

Das Denken könnte man auch als stummes Sprechen in einer inneren, allen Menschen gemeinsamen Sprache bezeichnen, die nach dem Philosophen Jerry Fodor language of thought (etwa: Sprache des Geistes) oder auch mentalese (etwa: "Denkisch" oder "Mentalisch") genannt wird. Die Idee einer Sprache des Geistes (einer lingua mentis) findet sich auch schon - ausgehend von einer These des griechischen Philosophen Aristoteles - in der Philosophie des Mittelalters.

Allerdings gibt es auch ein Denken in Bildern, das die Kunst kennt und das dem Traum und der Vorstellung verwandt ist - die Einbildung (der Chemiker Friedrich August Kekulé träumte die Ringstruktur des Benzolmoleküls).

Die natürliche, gesprochene Sprache wären dann vokalisiertes Denken, wie es Heinrich von Kleist in seinem berühmten Essay Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Sprechen beschreibt.

Das Denken und der Denkraum, also die Gesamtheit der Denkmöglichkeiten eines Individuums, hängen von dessen Umwelt, Persönlichkeit und der Intelligenz ab. Man kann zwischen begrifflichem, konkretem und abstraktem Denken unterscheiden. Bei beiden entscheiden die inhaltsunabhängigen Denkformen, die quasi die "Grammatik" des "Mentalischen" bilden, über den Erfolg des Gedankens.

Denken, Motivationspsychologie und Leistungssport

Denken ist auch relevant für die Leistungsmotivation, z.B. im Leistungssport. Diese ist in diesem Zusammenhang vielleicht ebenso wichtig wie Psychomotorik und Coaching bzw. Training. Es gilt, das Denken, die Vorstellung, die aktuelle Wahrnehmung und sogar das Gedächtnis auf das Ziel zu konzentrieren. Automatisierung aller wichtigen Reaktionen und Sequenzen (vgl. Handlungstheorie ist erforderlich. So steht bei auch unter Leistungsdruck das ganze persönliche Leistungsspektrum zur Verfügung.

Auch Phänomene wie Ehrgeiz und Egoismus bzw. Wille und das Hinarbeiten auf übergeordnete Ziele lassen sich unter kognitivem Blickwinkel betrachten.

Zitate

  • Sein Herz entglüht für eine neue Tugend, / Die, stolz und sicher und sich selbst genug, / Von keinem Glauben betteln will. - Er denkt! - Friedrich Schiller (Don Carlos)
  • Das Glück, das im Auge des Denkenden aufgeht, ist das Glück der Menschheit. - Theodor W. Adorno (Resignation, 1969)
  • Die logische Erörterung des Denkens überhaupt wird fälschlich für eine metaphysische Bestimmung des Objekts gehalten. - Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft, B 409)

Literatur

Siehe auch

Kreativitätstechnik, Problemlösungsprozess, Algorithmus, Psychologie, Systematische Heuristik, Kalkül


Weblinks

Siehe auch

Erkenntnistheorie, Bewusstsein, Denken (Wortfeld), Gedanke, Denken und Problemlösen, Kognitionswissenschaft, Kognition, Lernen , Glauben, Systematische Heuristik, Vergessen

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