Distichon

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Das Distichon (griech. "Zweizeiler") bezeichnet ein Verspaar bestehend aus einem Hexameter (griech. "Sechsmaß") und einem Pentameter (griech. "Fünfmaß").

Das metrische Schema lautet entsprechend

    _       _       _       _
 – υ υ | – υ υ | – υ υ | – υ υ | – υ υ | – υ
    _       _
 – υ υ | – υ υ | –    || – υ υ | – υ υ | –

für das antike Distichon und

    _         _         _         _
 – υ (υ) | – υ (υ) | – υ (υ) | – υ (υ) | – υ υ | – υ
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 – υ (υ) | – υ (υ) | –      || – υ  υ  | – υ υ | –

für das deutsche Distichon. Der Unterschied liegt darin, dass die ersten vier Daktylen ( – υ υ ) des Hexameters und die ersten beiden des Pentameters in der Antike nur durch Spondeen ( – – ), im Deutschen auch durch Trochäen ( – υ ) ersetzt werden dürfen.

Distichen fanden in der griechischen und römischen Antike und bei den Humanisten der frühen Neuzeit Verwendung als zweizeilige Epigramme oder als Bauelement der Elegie. In diesem Fall spricht man auch von elegischen Distichen.

Nach diesem Vorbild richtete sich auch die Verwendung des Distichons in der deutschen Literatur: Goethe und Schiller z.B. griffen diese Form für ihre epigrammatischen Xenien auf. Aus dieser Sammlung stammt auch Schillers bekannter Merkvers zum Distichon:

Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule.
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.

Eine Spottversvariante dazu lautet:

Im Hexameter zieht der elegische Dudelsack Luft ein.
Im Pentameter drauf pfutzt sie melodisch heraus.

Elegische Distichen sind in der deutschen Literatur seit Klopstock, und in der Folge vor allem bei Goethe, Schiller und Hölderlin, in Gebrauch. Berühmt sind Goethes Römische Elegien, aus denen die folgenden Verse stammen:

Raubt die Liebste denn gleich mir einige Stunden des Tages,
Gibt sie Stunden der Nacht mir zur Entschädigung hin.
Wird doch nicht immer geküsst, es wird vernünftig gesprochen.
Überfällt sie der Schlaf, lieg ich und denke mir viel.
Oftmals hab' ich auch schon in ihren Armen gedichtet
Und des Hexameters Maß, leise, mit fingernder Hand,
Ihr auf den Rücken gezählt. Sie atmet in lieblichem Schlummer
Und es durchglühet ihr Hauch mir bis ins Tiefste die Brust.
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Distichon aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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