Elisabeth I. (England)

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Königin Eisabeth I.

Elisabeth I., auch bekannt unter dem Namen "Die jungfräuliche Königin" (Virgin Queen) (* 7. September 1533 in Greenwich (heute London); † 24. März 1603 in Richmond) war eine englische Königin aus der Tudor-Dynastie.


Inhaltsverzeichnis

Jugend und Thronfolgefrage

Elisabeth I. wurde im Greenwich Palace in Kent geboren. Sie war die jüngste Tochter Heinrichs VIII. (1491-1547) und seiner zweiten Frau Anne Boleyn (1507-1536). Weil ihr Vater sich 1536 von ihrer Mutter trennte und diese wegen Landesverrats hinrichten ließ, wurde Elisabeth die Thronfolge aberkannt. Erst 1543 reihte man sie durch einen Parlamentsbeschluss wieder in die Thronfolge ein.

Nach dem Tod von Henrys Sohn Eduard VI. (1537-1553) kam Elisabeths Halbschwester Maria I. (1516-1558) auf den englischen Thron. Maria war eine überzeugte Katholikin und wollte die protestantische Elisabeth zu ihrem Glauben bekehren. Obwohl sich Elisabeth danach als Katholikin ausgab, blieb sie doch immer der anglikanischen Konfession treu. Maria ließ sich davon jedoch nicht täuschen, worauf sie anordnete, Elisabeth in den Tower von London zu sperren. Hier traf sie wahrscheinlich auch die Liebe ihres Lebens, Robert Dudley, später Graf von Leicester.

Wenig später heiratete Maria Philipp II. von Spanien (1527-1598). Ein Kind der beiden hätte England wieder zurück zum katholischen Bekenntnis geführt. Allerdings starb Maria 1558 kinderlos, worauf Elisabeth am 15. Januar 1559 in Westminster Abbey zur Königin gekrönt wurde.

Die frühen Regierungsjahre

Zur damaligen Zeit war die Lage in England sehr angespannt. Die Wirtschaft lag am Boden, das Land befand sich im Krieg mit Frankreich und wurde außerdem von Glaubensfragen zerrissen. Elisabeth machte sich zuerst daran, den von ihrer Schwester wieder eingeführten Katholizismus erneut abzuschaffen. 1563 wurden die 39 Anglikanischen Artikel verabschiedet, die gemäßigt reformatorisch formuliert waren. Damit trennte sich Elisabeth endgültig von der katholischen Kirche. Wegen dieser Entscheidung wurde Elisabeth von Papst Pius V. (1504-1572) 1570 exkommuniziert.

Elisabeth I. Krönungs-Portrait

Der unheilvolle Krieg mit Frankreich wurde am 3. April 1559 im Frieden von Cateau-Cambrésis beigelegt, wodurch nun die Voraussetzung geschaffen war, die angeschlagene englische Wirtschaft wieder anzukurbeln. Analog dazu starb im Juni 1560 Elisabeths Rivalin in Schottland, Marie de Guise, an Wassersucht und Schottland schied aus der Auld Alliance aus. Nach dem Misslingen ihrer militärischen Bestrebungen in Bezug auf Calais entschied Elisabeth, solche teuren Kriege nicht mehr zu unterstützen, und gab 1564 die englischen Ansprüche auf die Stadt gegen eine finanzielle Entschädigung auf.

Der Friede erlaubte dem englischen Staat endlich, seine Schulden zu bezahlen. Elisabeths Großvater Heinrich VII. (1457-1509) hatte die englische Handelsmarine gegründet, ihr Vater Heinrich VIII. die englische Kriegsmarine, als er die englischen Schiffe mit weit reichenden Kanonen ausrüsten ließ. Elisabeths Marineschatzmeister Sir John Hawkins (1532-1595) konnte die Marine noch weiter verbessern. Das Land entwickelte sich deshalb zur Seemacht, verdrängte z.B. die Hanse in Osteuropa. 1566 wurde in London die erste Börse eröffnet und wurden diverse Wirtschaftsgesetze verabschiedet, worauf sich auch die Preise stabilisieren konnten.

Am 19. Mai 1568 ließ Elisabeth die ehemalige schottische Königin Maria Stuart (1542-1587) festsetzen. Maria Stuart war dem Katholizismus zugewandt und hatte zudem noch Ambitionen auf den englischen Thron. Nach ihrer Gefangennahme konnte sich der Calvinismus in Schottland durchsetzen, 1587 wurde sie schließlich wegen der "Babington-Verschwörung" enthauptet.

In den folgenden Jahren wuchs der Reichtum des Landes, neben dem Handel nicht zuletzt auch durch Schmuggel und Raubzüge wie die des englischen Kapitäns Francis Drake (1540-1596). Drake war einer der Hauptakteure im von Elisabeth unterstützten Seekrieg gegen Spanien (der jedoch nie offiziell begann). 1572 fiel ihm beispielsweise ein spanischer Silbertransport bei Panama in die Hände, der neben Silber auch eine große Zahl Goldbarren transportierte. Ein Teil der Beute ging an das englische Königshaus und einige Adlige.

Die Armada

Die Raubzüge der englischen Freibeuter und die Hinrichtung Maria Stuarts gaben den Anstoß für den spanischen König Philipp II., den Krieg gegen England weiter zu verstärken. Anfang April 1588 sandte er die spanische Armada (insgesamt 130 Schiffe) zur Invasion Englands aus. Philipp wollte hauptsächlich, dass England die Raubzüge auf dem Atlantik beendete; außerdem wollte er verhindern, dass die Engländer den Protestanten in den spanischen Niederlanden halfen. Doch die englische Flotte unter Francis Drake und Sir Howard von Effingham konnte die Spanier im Ärmelkanal abfangen. Die Spanier hatten ihre Flotte nahe der französischen Stadt Calais festgemacht, denn der Armadaleiter, der Herzog Medina Sidonia, sollte die Armee des Herzogs von Parma, eines von Philipps besten Generälen, über den Ärmelkanal nach England eskortieren.

Drake ließ eine Gruppe von Brandern in die Richtung der Spanier segeln. Die Spanier mussten ihre Anker lichten, um den brennenden Schiffen zu entgehen, deshalb konnten die englischen Verteidiger jetzt gegen die Spanier kämpfen. Weil die Engländer leichtere und schnellere Boote hatten, war es ihnen möglich, den spanischen Schiffen mehr Schaden zuzufügen als umgekehrt. Die so genannte Seeschlacht von Gravelines ging so im großen und ganzen unentschieden aus. Da die Spanier ihre Anker gelichtet hatten und deshalb Parma nicht eskortieren konnten, entschied Medina Sidonia, um die Küsten von Schottland und Irland zu segeln, um auf diesem Weg wieder nach Spanien und Portugal zu kommen. Auf dem Weg dorthin gerieten die Spanier allerdings in einen großen Sturm, durch den fast 60 spanische Schiffe (von fast 130 insgesamt) sanken oder auf die Küste Irlands aufliefen. Währenddessen starben auch unter den Engländern viele Soldaten, hauptsächlich an Krankheiten wie Dysenterie und Flecktyphus.

Die späten Regierungsjahre

Obwohl die Spanier mit ihrer Armada einen schweren Verlust erlitten hatten, war diese Schlacht jedoch noch nicht entscheidend, weil die Spanier ihre wichtigsten atlantischen Schiffe, die die Grundlage des spanischen Amerikareichs bildeten, gerettet hatten. Eine große englische Invasionsflotte segelte deshalb 1589 nach Spanien und Portugal, um die übrigen spanischen Marineschiffe zu versenken, Philipp aus Portugal zu vertreiben und die spanische Silberflotte abzufangen. Diese englische Flotte, die von Drake und Sir John Norris geführt wurde, war erfolglos, tausende Soldaten starben dabei an schweren Krankheiten. Deshalb fiel der englische Invasionsversuch völlig aus, und Philipp baute die spanische Marine wieder auf. Aus diesem Grund war die spanische Marine jetzt ironischerweise viel stärker, als sie während der 1580er-Jahre gewesen war, und die Spanier transportierten dreimal mehr Silber und besiegten die Engländer in vielen anderen Seeschlachten. Im Jahr 1595 verstarben Drake und Hawkins beide in der Karibik. Im gleichen Jahr landeten die Spanier unter Don Carlos de Amesquita erfolgreich bei Penzance in Westengland und viele englische Städte brannten.

Wegen dieses fortgeführten Krieges konnte Elisabeth keine englischen Kolonien in Nordamerika gründen, von Walter Raleighs Virginia-Abenteuer 1584 einmal abgesehen. Sie mussten deshalb bis zur Herrschaft von Jakob I. (1566-1625) warten, um den Krieg gegen Spanien 1604 durch den Vertrag von London beenden und ihre erste Kolonie 1607 bei Jamestown gründen zu können.

1593 begann in Irland Hugh O’Neill einen blutigen Kampf gegen die englischen Besatzer. Der Krieg, der daraufhin losbrach, war extrem brutal, teuer und für die Engländer äußerst verlustreich, wodurch Elisabeths Ansehen unter der Bevölkerung sehr litt. Er war zudem die Ursache dafür, dass sich der englische Staat wieder verschuldete. Deshalb musste Elisabeth auch eine Menge Kronbesitz und viele Regierungsstellen verkaufen. Aus demselben Grund war es notwendig, das englische Parlament öfter zusammenzurufen. Diese Änderungen stärkten die Volksvertretung und sorgten dafür, dass diese Institution die englischen Könige im 17. Jahrhundert besser herausfordern konnte.

Erwähnenswert ist dabei auch noch die Essex-Verschwörung, die der greisen Königin zusetzte und mit der Hinrichtung des Grafen 1601 endete. Die Auseinandersetzungen in Irland konnten 1603 beendet werden, noch im selben Jahr starb die Königin. Elisabeths Nachfolger wurde König Jakob VI. von Schottland, der Sohn Maria Stuarts, mit dem sie zuvor einen kontinuierlichen Briefwechsel geführt hatte.

Nachruf

Trotz der Ausfälle in den Kriegen gegen Spanien und Irland sowie Englands ökonomischer Probleme, die sich später während ihrer Herrschaft entwickelt hatten, begründete Elisabeth I. eine erfolgreiche englische Ära. Unter ihrer über 44-jährigen Herrschaft wurde England eine stärkere Nation, und obwohl die spanische Marine bis 1650 die stärkste Marine blieb, dienten die englischen Seestreitkräfte des späten 16. Jahrhunderts als Inspiration für zukünftige Generationen englischer Seeleute. Diese konnten während der 1580er und 1590er Jahre auch nützliche Erfahrungen beim Befahren der Ozeane sammeln.

Elisabeth förderte ebenfalls Musik, bildende Kunst und Literatur. Es war die Zeit des Shakespeare, des bürgerlichen Theaters und des Francis Bacon; das englische Bürgertum verdiente fleißig am Handel und Gewerbe und machte seine Ansprüche auf politischem und kulturellem Gebiet geltend. Elisabeth schaffte es gleichfalls, die eigene Kirche vom Einfluss Roms zu lösen und somit die religiösen Wirren im Land zu beenden.

Als politische Berater ragten vor allem William Cecil von Burghley und sein Sohn Robert, Francis Walsingham und sogar Leicester heraus; in späteren Jahren hatte der bereits erwähnte Graf von Essex großen Einfluss. Man muss hier festhalten, dass Elisabeth in der Lage war, bedeutende Leute zu entdecken und an sich zu binden.

Der unverheiratet gebliebenen Königin wurde außer dem erwähnten Robert Dudley, Graf von Leicester, eine Reihe weiterer Liebhaber nachgesagt: der Herzog von Alencon; Robert Devereux, Graf von Essex; Sir Christopher Hatton; Thomas Heneage; Edward de Vere, Graf von Oxford; Sir William Pickering; Sir Walter Raleigh. Sie selber aber betonte, dass sie als Jungfrau begraben werden würde und ihr alleiniger Liebhaber England sei. So ist sie denn auch als die "Virgin Queen", die jungfräuliche Königin, in die Geschichte Englands eingegangen.

Weblinks

Literatur

Quellen

  • F. Chamberlain (Ed.): The sayings of Queen Elizabeth, New York 1923
  • G. B. Harrison (Hrsg.): Die Briefe der Königin Elisabeth I. von England, Wien 1938

Monographien

  • J. B. Black: The Reign of Elizabeth, 2. Ed. Oxford 1959
  • P. Collinson: The Elizabethan Puritan Movement, London 1967
  • G. Lottes: Elisabeth I. Eine politische Biographie, Göttingen 1981


Vorgänger:
Maria I.
Liste der Herrscher Englands Nachfolger:
Jakob I.


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