Johann Wolfgang von Goethe

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Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang (von) Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J.W. Goethe; † 22. März 1832 in Weimar; auch Göthe) ist als Dichter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken, gilt er als großer deutscher Dichter und ist eine herausragende Persönlichkeit der Weltliteratur.

Er war verheiratet mit Christiane von Goethe, geborene Vulpius, sein einziger Sohn war August von Goethe. Seine berühmten letzten Worte sollen „Mehr Licht!“ gewesen sein.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Jugend (1749-1765)

Goethes Geburtshaus im Großen Hirschgraben

Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Dieser hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schließlich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geräumigen Haus am Großen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemälden.

Goethes Mutter, Katharina Elisabeth Goethe (* 1731; † 1808), war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Bürgermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jährigen Rat Goethe geheiratet.

Außer der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana (s. Cornelia Schlosser) starben alle anderen Geschwister früh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken).

Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht im Reiten und Fechten.

Schon früh interessierte er sich für die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunächst auf Friedrich Gottlieb Klopstock (damals hochmodern!) und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich für das Theater - so besuchte er während der französischen Besetzung 1759 häufig das französische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart.

Am 30. September 1765 verließ er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen.

Studium und Geniezeit (1765-1775)

Goethe-Denkmal in Leipzig

Leipzig (1765-1768)

Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hörte dort die Poetikvorlesung von Christian Fürchtegott Gellert und nahm an dessen Stilübungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Käthchen Schönkopf und besang diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko (Gedichtzyklus Annette). Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er später Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt zurückzukehren.

Frankfurt/ Straßburg (1768-1770)

Es folgt eine eineinhalbjährige, von manchen Rückfällen unterbrochene Genesungszeit. Während der Rekonvaleszenz wurde er liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter, Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen in Berührung.

Im April 1770 verließ er Frankfurt, um dem Wunsch seines Vaters entsprechend in Straßburg sein Studium zu beenden. In Straßburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte darunter z.B. „Willkommen und Abschied“, „Sesenheimer Lieder“ und „Heideröslein“.

Wetzlar (1772)

Am 10. Mai 1772 ging er zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Großtante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Bürgermeisters von Leipzig, wohnte. Nach der unglücklichen Liebe zu Charlotte Buff verließ Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder.

Er hatte gerade sein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Drängen seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozeßführung sammeln. Goethes Vater hatte große Pläne mit seinem einzigen Sohn: sein Ziel war es, ihn zum Schultheißen in Frankfurt zu machen. Daher hatte er seinen Sohn schon früh mit Rechtsbüchern vertraut gemacht und ihn viel auswendig lernen lassen.

Es war nicht so, daß Goethe das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen wäre. Er war durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes, da er hoffte, sich daraus ein Bild über die Zustände im Reich machen zu können. Er nahm Veränderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte diese als Ganzes überschauen, war sich aber der Lückenhaftigkeit seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluß bewusst. Goethe wollte im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und systematisch strukturierten und philosophisch begründeten Gesetzen unter Berücksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten, das läßt sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten.

Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte es kaum als Ausbildungsmöglichkeit. Denn zum einen war er gegenüber der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck der zerrütteten Verhältnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen mißtraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen 1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen er sich im Gasthof »Zum Kronprinzen« traf, nicht, daß diese etwas verbessern könnten. Außerdem behauptet Goethe später, als er Dichtung und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit gezeigt, daß er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust.

Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretärs Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal für kurze Zeit nach Wetzlar zurück. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein Suizid war für Goethe der Auslöser, seinen Roman Die Leiden des jungen Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gesprächen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergründete. Der Roman wird ein großer Erfolg und gilt als literarische Initialzündung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur.

Weimar (1775-1805)

In dem Goethehäuschen auf dem Kickelhahn bei Ilmenau schrieb Goethe 1780 sein Gedicht "Wanderers Nachtlied"

1776 tritt Goethe als Geheimer Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte 6 Jahre in seinem „Gartenhaus“ (Goethe-Haus), das der Herzog ihm schenkte und dessen umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen „Garten am Stern“ bezeichnete er später in seinen Tagebüchern als „untern Garten“. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Planung des Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott hätte mich zum Gärtner oder Laboranten gemacht, ich könnte glücklich sein schreibt er in seinem Tagebuch.

Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. 10 Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung.

1779 wird er zum Geheimrat befördert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre jüngeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war eine für politische Reformtätigkeit. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich für eine wachsende Zahl von Zuständigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte.

In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu beschäftigen.

Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer Loge Amalia aufgenommen. Der Meister vom Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch sah Goethe mit Skepsis und übergab daher den Hammer an Johann Joachim Christoph Bode. Er dachte sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Rücktritt von seinem Amt als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1782 befördert, am 2. März 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der Freimaurerei in dieser Zeit zu Verwürfnissen kam.

Goethes Wohnhaus in Weimar

Der Herzog vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792 schließlich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem Tod des letzten Enkels und Erben Goethes wurde das Haus am Frauenplan zum Nationalmuseum erklärt. Da nach dem zweiten Weltkrieg sehr viel zerstört wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten neu).

Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem Namen „Abaris“, geworben von Johann Joachim Christoph Bode.

1783-1785 Reise in den Harz. 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schädel.

Reise nach Italien (1786-1788)

Goethe in Italien

1786 verließ Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretär Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Nächststehenden Nachricht über seine eigentlichen Entschlüsse und die Absicht, längere Zeit in Italien zu bleiben. Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das berühmte Gemälde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der römischen Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte er dort kennen.

1788 bis 1805

Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss Goethe weitgehend unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt unter schweren Bandscheibenschäden und Verwachsungen mehrerer Brustwirbel.

1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, die bis zu Schillers Tod 1805 dauert.

1798 schrieb er die Elegie „Die Metamorphose der Pflanzen“.

Nach 1805

Goethe

Am Rande des Erfurter Fürstenkongresses empfängt 1808 Napoléon I. Goethe und verleiht ihm das Kreuz der Ehrenlegion.

1814 reist er in die Rhein- und Maingegenden, 1817 beginnt er die „Geschichte seines botanischen Studiums“ „Zeitschrift Zur Naturwissenschaft überhaupt, besonders zur Morphologie“ (bis 1824).

Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl Friedrich Zelter.

Goethe starb am 22. März 1832 und wurde am 26. März in der Fürstengruft bestattet.

Nachkommen

Johann Wolfgang von Goethe und seine Frau Christiane hatten fünf Kinder. Außer August, dem ältesten, sind alle tot geboren worden oder früh gestorben. August hatte drei Kinder: Walther Wolfgang (*1818), Wolfgang Maximilian (*1820) und Alma Sedina von Goethe (*1827). August starb zwei Jahre früher als Goethe selbst. Seine Frau Ottilie von Goethe gebar nach seinem Tod ein weiteres (nicht von August stammendes) Kind namens Anna Sybille, welches nach einem Jahr starb. Alma starb 1844 mit 16 Jahren, Wolfgang starb 1883 und Walther 1885. Alle waren unverheiratet und so starben die direkten Nachkommen von Johann Wolfgang von Goethe 1885 aus. Wolfgang und Walther, der 1859 Freiherr wurde, vermachte den Nachlass der Großherzogin Sophie und dem Staat Sachsen-Weimar-Eisenach.

Stammbaum Goethes

        Friedrich Georg (*1657) (weitere 8 jüngere Geschwister)
                          |
                    Johann Kaspar G.
              + Katharina Elisabeth Textor
            ______________|________________
           |                |              |
 Johann Wolfgang  Cornelia   weitere früh Gestorbene
 + Christiane Vulpius       |
           |_______________ *
           |               |
        August        vier früh Gestorbene
 + Ottilie von Pogwisch
           |_______________________________
           |                |              |
        Walther         Wolfgang         Alma

(*) Cornelia hatte zwei Töchter: Luise Maria Anna (1774-1811) und Julie (1777-1793; nur 16 Jahre). Luise hatte neun Kinder mit Ludwig Nicolovius. Vier davon waren früh gestorben oder kinderlos. Die anderen fünf Kinder hatten zahlreiche Nachkommen, wovon heute noch einige leben.

Goethes Genealogie wird umfassend in der Literatur behandelt. Eine umfangreiche Homepage gibt es unter www.goethe-genealogie.de-

Einzelaspekte des Lebens

Goethedenkmal am Ilmenauer Marktplatz

Goethe ist eine faszinierende Persönlichkeit. Grund dafür ist vorallem seine Vielgestaltigkeit: Diese zeigt sich in vielen Aspekten, die sich gegenseitig erhellen. Jeder dieser Aspekte lässt sich oft über Jahrzehnte hindurch verfolgen und bildet gewissermassen eine eigene Biographie.

Zwei spezielle Aspekte sind seine Beziehungen zu Frauen - und seine Krankheiten. Wobei diese beiden Aspekte einander insofern entgegengesetzt sind, als Frauen häufig die Anfangspunkte einer Entwicklung in Goethes Leben markieren - ein neues Kapitel wird aufgeschlagen -, während die (teilweise schweren) Erkrankungen häufig Endpunkt, Abschluss, aber auch Flucht kennzeichnen.

Lieben, Liebchen und Liebeleien: Goethe und die Frauen

Anna Katharina Schönkopf (auch „Käthchen“ und „Annette“) (1746–1810): Tochter des Zinngießers Christian Gottlieb Schönkopf, bei dessen Familie Goethe während seiner Leipziger Studienzeit den Mittagstisch nahm. Dort lernt er 1766 das 3 Jahre ältere Käthchen kennen und verliebt sich in sie, eine Liebe, die ihn zur Produktion verspielter Lyrik im Stile des Rokoko anregt (unter anderem die so genannten Annettenlieder). Im Frühjahr 1768 wird die Beziehung gelöst, die - wegen Goethes extremer Eifersucht - von Anfang an unter Belastungen litt.
Während der Zeit der Beziehung entsteht das Stück Die Laune des Verliebten. In diesem Schäferspiel wird ein eifersüchtiger Liebhaber von seiner Eifersucht geheilt, als er erkennt, dass auch er untreu sein kann.
Auch nach dem Ende der Beziehung schrieb Goethe noch einige Zeit - durchaus galante Briefe - an Anna Katharina. Diese heiratete dann 1770 den achtbaren Juristen Dr. Karl Kanne, der später Vizebürgermeister von Leipzig wurde. Interessant ist, dass er den „von“-Titel von Graf Theodorius von Burgschaften verliehen bekam.

Krankheiten

  • 1758: Goethe erkrankt an den Blattern (Pocken), die Narbenspuren der Krankheit bleiben ihm bis ins Alter
  • 1768: Während der Leipziger Studienzeit kommt es zu einer lebensgefährlichen Erkrankung (Halsgeschwulst und Blutsturz, wohl aus einer tuberkulösen Kaverne), die möglicherweise Ausdruck einer seelischen Krise war. Goethe kehrt nach Frankfurt zurück. Es folgt eine eineinhalbjährige Genesungsphase, die von Rückfällen und Depressionen unterbrochen wird.
  • 1801: Er erkrankt an einer Gesichtsrose
  • 1805: Nierensteinleiden mit häufigen Koliken
  • 1823: Erster Herzinfarkt und Herzbeutelentzündung
  • 1830: Erneuter Blutsturz
  • 1832: Erneuter Herzinfarkt mit kardiogenem Schock und Lungenödem

Einzelaspekte des Werkes

Naturwissenschaftliche Arbeiten

In seiner Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich zu beschäftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor allem in Italien suchte er seine „Urpflanze“. Sein wissenschaftlicher Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die größte Mannigfaltigkeit möglich ist heute allerdings wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht ist seine Farbenlehre heute wenig naturwissenschaftlich und wenig bemerkenswert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu dem Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des Menschen mit den Affen war.

Werke

Es war eine der besonderen Eigenarten Goethes, begonnene Dichtungen oft Jahre, manchmal Jahrzehnte liegen zu lassen, bereits gedruckte Werke erheblichen Umarbeitungen zu unterwerfen und manches Fertiggestellte erst nach langer Zeit in den Druck zu geben. Eine chronologische Liste der Werke ist daher insofern schwierig zu erstellen, da der Zeitraum der Bearbeitung häufig unklar, das Jahr des Erstdrucks aber oft nicht mit der dichterischen Entwicklung Goethes korrespondiert. Die folgende Liste orientiert sich im Zweifelsfall am (vermutlichen) Zeitpunkt der Entstehung.

  • Die Laune des Verliebten (Schäferspiel), verfasst 1768, im Druck 1806
  • Die Mitschuldigen (Lustspiel), begonnen 1769, im Druck 1787
  • Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (Schauspiel), 1773
  • Prometheus (Gedicht), 1774
  • Neueröffnetes moralisch-politisches Puppenspiel, 1774
  • Ein Fastnachtsspiel vom Pater Bray, 1774
  • Jahrmarktsfest zu Plundersweilern, 1774
  • Götter Helden und Wieland (Farce), 1774
  • Clavigo (Trauerspiel), 1774
  • Die Leiden des jungen Werther (Briefroman), 1774, 2. Fassung 1787
  • Egmont (Trauerspiel), begonnen 1775, im Druck 1788
  • Erwin und Elmire (Schauspiel mit Gesang), 1775
  • Wilhelm Meisters theatralische Sendung ("Urmeister", Roman), ab 1776, Im Druck 1911
  • Stella. Ein Schauspiel für Liebende, 1776
  • Iphigenie auf Tauris (Drama), Prosafassung 1779, im Druck 1787
  • Torquato Tasso (Drama), ab 1780, im Druck 1790
  • Über den Zwischenkiefer der Menschen und der Tiere, 1786
  • Römische Elegien, entstanden 1788-90
  • Venezianische Epigramme, 1790
  • Faust. Ein Fragment, 1790
  • Beiträge zur Optik (Abhandlungen, 2 Bde.), 1791/92
  • Der Groß-Cophta (Lustspiel), 1792
  • Der Bürgergeneral (Lustspiel), 1793
  • Reineke Fuchs (Tierepos), 1794
  • In allen guten Stunden (freimaurerisches Bundeslied), 1775
  • Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (Rahmenerzählung), 1795
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/96
  • Xenien (Gedichte, zusammen mit Friedrich Schiller), 1796
  • Faust I. Eine Tragödie (1. Teil des Faust), ab 1797, im Druck 1808
  • Das Leben des Benvenuto Cellini (Aufsatz), 1797
  • Novelle, ab 1797
  • Herrmann und Dorothea (Idylle in Hexametern), 1798
  • Die natürliche Tochter (Trauerspiel), 1804
  • Wilhelm Meisters Wanderjahre (Roman), ab 1807, im Druck 1821, erweiterte Fassung 1829
  • Pandora (Festspiel), entstanden 1807/08, im Druck 1817
  • Die Wahlverwandtschaften, 1809
  • Zur Farbenlehre (wiss. Abhandlung), 1810
  • Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (autobiografische Dichtung, 4 Bde.), 1811-33
  • Vom Sänger hat man viel erzählt (freimaurerisches Gedicht zum Dank des Sängers), 1815
  • Wenn die Liebste zum Erwidern (freimaurerisches Gedicht zur Verschwiegenheit), 1816
  • Italienische Reise, 1816/17
  • Über Kunst und Altertum (6 Bde., zusammen mit Johann Heinrich Meyer), 1816-32
  • Dem würdigen Bruderfeste: "Fünfzig Jahre sind vorüber" (poetischer Dank für eine Ehrenurkunde seines fünfzigjährigen Maurerjubiläums), 1820
  • West-östlicher Divan (Gedichte), 1819
  • Einleitung zu den Trauerreden (freimaurerische Trauerrede zum Ableben des Meisters vom Stuhl Ridel), 1821
  • Kampagne in Frankreich (Bericht), 1822
  • Rede zum brüderlichen Andenken Wielands (freimaurerische Trauerrede), von Goethe vorgetragen am 18. Februar 1830
  • Faust II. (2. Teil des Faust), 1833
  • Maximen und Reflexionen, 1833

Rezeption

Goethe als „Olympier“, als „Kult-Figur“

Goethestatue von Christian Daniel Rauch (1820)

Wie kein anderer wurde Goethe schon zu Lebzeiten als unerreichter und unerreichbarer Gipfel deutscher Dichtung stilisiert (siehe auch Die Leiden des jungen Werther), wozu sein eigenes Auftreten im Alter zweifellos beitrug. Ludwig Börne titulierte ihn dagegen als „Stabilitätsnarr“ mit seiner Angst vor Religion und Tod, Liebe und Hingabe, seinem egoistischen Festhalten an der hergebrachten Ordnung.

Goethe ist einer der berühmtesten Autoren der Weltliteratur. Seine Werke gehören in vielen Ländern zum festen Bestandteil des Literaturunterrichts.

Goethe auf dem Theater

Die herausragenden Inszenierungen der Stücke von Goethe blieben vor allem durch ihre Verfilmungen in Erinnerung. Hervorzuheben ist da natürlich die Lebensbeschäftigung von Gustaf Gründgens mit der Rolle des Mephisto in seinen Inszenierungen vom Faust. Zum ersten Mal spielte er den Mephisto 1932. Er inszenierte Faust I 1941 und Faust II 1942 in Berlin. Ende der 1950er Jahre brachte er seine Faust-Inszenierung als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg heraus, die dann auch fürs Kino verfilmt wurde.

Eine weitere legendäre Faust-Inszenierung ist 1988/1989 in den Münchener Kammerspielen entstanden. Dieter Dorn inszenierte einen sehr volkstümlichen Faust, der völlig im Gegensatz zu Gründgens stand. Helmut Griem war als Faust zu sehen, Romuald Pekny als Mephisto. Die Frauenrollen wurden mit Sunnyi Melles als Gretchen und Cornelia Froboess als Marthe besetzt.

Als einer der wichtigsten Goethe-Interpretatoren zeigte sich in seiner langen Karriere Peter Stein. Bereits zu Beginn als junger Regisseur zeigte er eine neue Lesart mit seiner Inszenierung des Torquato Tasso 1969 in Bremen, die noch heute als modern gilt. Und Peter Stein war es, der zur Expo 2000 in Hannover, anschließend zu sehen in Berlin und Wien, den gesamten Faust auf die Bühne brachte.

Das Verdienst, 1938 als erstes beide Teile des Faust inszeniert zu haben, gebührt der Goetheanum-Bühne in Dornach bei Basel, die seither jeweils im Abstand einiger Jahre unter wechselnden anthroposophischen Regisseuren zyklische Aufführungen und Tagungen veranstaltet, zuletzt von April bis August 2004.

Weitere herausragende Goethe-Inszenierungen:

Vertonungen

Zahlreiche seiner Gedichte sind von unterschiedlichen Komponisten vertont worden. Am herausragendsten sind die Vertonungen von Franz Schubert, an denen Goethe jedoch bemängelte, dass die Musik zu sehr im Vordergrund stünde und nicht schlicht genug sei. Goethe bevorzugte die Vertonungen von Karl Friedrich Zelter. Weitere Komponisten, die Lyrik Goethes vertonten sind zum Beispiel: Wolfgang Amadeus Mozart (Das Veilchen, eine sehr frühe Goethe-Vertonung), Ludwig van Beethoven, Johann Friedrich Reichardt, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms, Carl Loewe, Hugo Wolf, Richard Strauss, Ernst Pepping und Jürg Baur. Die 1797 entstandene Ballade Der Zauberlehrling wurde von dem französischen Komponisten Paul Dukas musikalisch umgesetzt.

Ein Werk größeren Zuschnitts ist Mendelssohns Kantate Die erste Walpurgisnacht, bemerkenswert nicht zuletzt wegen der persönlichen Bekanntschaft von Dichter und Komponist.

Auch Goethes dramatische Werke waren und sind eine Quelle der Inspiration für Komponisten. In der heutigen Theaterpraxis werden die Schauspielmusiken, etwa Ludwig van Beethovens Egmont-Musik, zwar nicht mehr aufgeführt, aber einige Ausschnitte haben sich doch wenigstens im Konzert- und CD-Repertoire gehalten.

Die bei weitem stärkste Ausstrahlung hatte zweifellos Faust, insb. der erste Teil, so etwa auf Robert Schumann, Louis Spohr, Charles Gounod, Hector Berlioz. Den Schlussteil von Faust II verwendete Gustav Mahler in seiner 8. Symphonie. Von der Forschung wurden etwa 50 Faust-Bearbeitungen alleine für die Opernbühne nachgewiesen. Die Lied- und Chorsätze sind kaum mehr zählbar, selbst wenn man sich auf die Faust-Vertonungen beschränkt.

Auch im 21. Jahrhundert finden Goethes Werke noch in der Musik statt: In Extremo - Der Rattenfänger ( aus dem Album „Sünder ohne Zügel“)

Filmografie

Literatur

  • Karl Otto Conrady: Goethe - Leben und Werk, Artemis Verlag Zürich 1994, 1040 Seiten.
  • Gero von Wilpert: Goethe-Lexikon, Stuttgart 1998, Kröner, ISBN 3-520-40701-9
  • Goethe, Johann Wolfgang, in: Allgemeine Deutsche Bibliographie, Bd. 9, S. 413
  • Wolfram Voigt/Ulrich Sucker, Johann Wolfgang von Goethe, BSB B. G. Teubner Verlagsgesellschaft, Reihe: Biographien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner Band 38, Leipzig 1987
  • Renate Wieland: Schein Kritik Utopie. Zu Goethe und Hegel, München (edition text + kritik) 1992, ISBN 3-88377-419-7
  • Ekkehart Krippendorff: Jefferson und Goethe, Hamburg (Europäische Verlangsanstalt/Rotbuch) 2001, ISBN 3-43450-210-6 (alles was man von Lehrern über den Politiker und kritischen Zeitgenossen G. nicht erfährt!)

Weblinks

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Orginaltexte

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