Gustaf Gründgens

aus TheaterWiki, der freien Wissensdatenbank für Theaterwesen und Schauspielkunst
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gustaf (Arnold) Gründgens (* 22. Dezember 1899 in Düsseldorf; † 7. Oktober 1963 in Manila), Sohn von Arnold Hubert und Emmy Gründgens, war ein bedeutender deutscher Schauspieler, Regisseur und Intendant.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

1914–1944

Im Ersten Weltkrieg macht er erste Erfahrungen als Schauspieler in einem Fronttheater, dessen Leiter er schon 1918 wird, und das auch nach dem Krieg – jetzt allerdings unter dem Namen Bergtheater Thale – weiter existiert. 1922 geht Gründgens an ein Berliner Theater und 1923 an die "Kammerspiele" nach Hamburg. In dieser Zeit lernt er ein breites Repertoire an klassischen und zeitgenössischen Stücken zu beherrschen und tritt 1924 dort zum ersten Mal publikumswirksam als Regisseur auf, unter anderem mit der Inszenierung des Stückes "Anja und Ester" von Klaus Mann. Klaus Mann und seine Schwester Erika Mann spielen zusammen mit Gründgens und Pamela Wedekind die Hauptrollen. Gründgens heiratet Erika 1926, die Ehe wird bereits 1929 wieder geschieden. In zweiter Ehe war er später mit Marianne Hoppe verheiratet.

Gründgens möchte sich nicht nur auf das Theater beschränken, ab 1929 versucht er sich sowohl in Opernregie als auch in Kabarettauftritten. Zu diesem Zeitpunkt spielt er auch Filmrollen. Einer der bekanntesten Auftritte aus dieser Zeit ist die Rolle des Schränkers in M - Eine Stadt sucht einen Mörder. (Von dieser Rolle unter der Regie von Fritz Lang ist oftmals gesagt worden, sie nehme die Auftritte und den Redestil des späteren Reichspropagandaministers Joseph Goebbels vorweg - doch besagen derartige Aussagen fast mehr über die Zeit und den Regisseur als über den Interpreten einer bestimmten Rolle.)

1932 beginnt Gründgens am Preußischen Staatstheater in Berlin zu arbeiten. Eine seiner ersten Rollen ist die des Mephistopheles in Goethes Faust. Hier beginnt er die klassische schwarz-weiße Maske zu entwickeln, die man heutzutage mit dem Begriff "Mephisto" identifiziert.

Sein Verhältnis zum Nationalsozialismus erscheint zwiespältig. Einerseits bleibt Gründgens im Land und wirkt in Propagandafilmen wie "Ohm Krüger" mit, andererseits dreht er aber auch solche Filme wie "Tanz auf dem Vulkan", der als einer der regimekritischsten Filme in der nationalsozialistischen Zeit gilt. Klaus Manns Schlüsselroman Mephisto von 1936 beschreibt die Karriere Gustaf Gründgens' (im Buch als "Hendrik Höfgen" deutlich identifizierbar) im Dritten Reich äußerst kritisch; der Roman blieb deshalb auch auf Einspruch des Adoptivsohnes von Gründgens in Deutschland 25 Jahre verboten. Der darauf fußende Film über Gründgens, "Mephisto", wurde 1980 von István Szabó mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle verfilmt. Jedoch ist bezeugt, dass Gründgens für bedrohte Kollegen (zum Beispiel Ernst Busch) erfolgreich eintrat. Er steigt im NS-Reich auf der Karriereleiter steil nach oben. Von 1937 bis 1945 ist er Generalintendant der Preußischen Staatstheater und macht ihm und sich zu Nutze, dass Hermann Göring als Preußischer Ministerpräsident das Theater dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels zu entziehen weiß, dem alle übrigen Theater unterstellt sind. Außerdem ist er ein viel beachteter Filmregisseur. Ab 1942 (Schließung der Theater im Fortgang des Zweiten Weltkrieges) ist er in der Truppenbetreuung tätig, das Kriegsende erlebt er dann in Berlin.

1945–1963

Von 1945 bis 1946 ist er in sowjetischer Haft. Im Rahmen der Entnazifizierung wird er von vielen Kollegen entlastet (und entlastet seinerseits unter anderem die Frau von Hermann Göring, die Schauspielerin Emmy Sonnemann, sowie Veit Harlan, den Regisseur des Filmes "Jud Süß", der als einer der schlimmsten Nazi-Propagandafilme gilt).

Bereits 1946 steht Gründgens wieder auf der Bühne, zunächst noch im russischen Sektor von Berlin. Von 1947 bis 1951 ist er Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, ab 1955 Generalindendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, wo er viel beachtete klassische und moderne Inszenierungen zeigt, eine hohe Sprechkultur pflegt und bedeutende Schauspielerinnen und Schauspieler um sich sammelt und prägt. 1960 adaptiert er seine "Faust"-Inszenierung (mit der er zum Beispiel auch in Moskau gastierte) für den Film, mit Will Quadflieg in der Rolle des Faust und sich selbst in der Rolle des Mephisto, in der Maske, die sich seit den Dreißiger Jahren nicht verändert hatte. Dieser (auch im Fernsehen gezeigte) Film wird zum großen Publikumserfolg.

Zum Sommer 1963 beendet er überraschend seine Intendanz am Deutschen Schauspielhaus und begibt sich auf eine Weltreise. Am 7. Oktober 1963 vergiftet er sich auf dieser Weltreise in Manila (Philippinen); ob es sich um einen Unfall oder (vermutlich eher) um Suizid handelte, wurde nie geklärt.

Bilder

Theaterfotos von Gustaf Gründgens liegen von 1935–1963 ganz überwiegend von der bedeutenden Theaterfotografin Rosemarie Clausen, für 1947 bis 1951 auch von Lieselotte Strelow vor.

Quellen

Gustaf Gründgens, Das komplette Schallarchiv. Theaterstücke Hörspiele Monologe Reden Chansons (20 CDs), Die Audiothek 2004

Weblinks







Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Gustaf Gründgens aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
odysseetheater
Werkzeuge