Hanns Hörbiger

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Hanns Hörbiger

Hanns Hörbiger (* 29. November 1860 in Atzgersdorf (heute in Wien); † 11. Oktober 1931 in Mauer (heute in Wien)) war ein österreichischer Ingenieur und Vater der bekannten Schauspieler Attila und Paul Hörbiger.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Seine Jugend verbrachte er bei seiner Mutter in Kärnten. Er besuchte die Maschinenbauschule des Technologischen Gewerbemuseums in Wien, konnte aber kein Hochschulstudium finanzieren. Nach einer Anstellung als Zeichner in einem Betrieb für Präzisionsventilsteuerungen 1881 und kurzem Militärdienst verdiente er zwischenzeitlich seinen Lebensunterhalt als wandernder Zitherspieler, um ab 1884 wieder für verschiedene Maschinenfabriken zu arbeiten. Er heiratete 1889, aus der Ehe gingen vier Söhne hervor. Paul und Attila Hörbiger wurden als Schauspieler bekannt.

Hörbiger leistete seit seiner Anstellung bei der Maschinenfabrik Lang in Budapest 1891 auf dem Gebiet der Wärme- und Kältetechnik beachtliches. Insbesondere sein 1896 ausgegebenes Patent des Stahlplattenventils, schon seinerzeit als "Hörbiger-Ventil" bekannt, führte zu beachtlichem Wohlstand. Es handelt sich um ein massearmes, durch Lenker reibungsfrei geführtes Plattenventil für Gebläse, Pumpen und Kompressoren (DRP 87267 vom 7. August 1895). Da die Maschinenfabrik Lang seine Erfindung nicht unterstützte, gründete er 1900 mit Hilfe von Siemens & Halske in Budapest ein Konstruktionsbüro, das 1903 nach Wien übersiedelte und vor allem vom Lizenzverkauf ins Ausland lebte.

Nach 1918 fielen die Lizenzeingänge aus dem Ausland fast völlig aus, die Inflation in den 1920er Jahren vernichtete sein gesamtes Vermögen. Diese Krise konnte er bis zu seinem Tod 1931 durch die Gründung einer Handelsgesellschaft für die Kundenbetreuung unter schwierigen Bedingungen überwinden.

Die Welteislehre

In der breiten Bevölkerung wurde er durch seine 1912 mit dem Amateurastronomen Philipp Fauth veröffentlichte Welteislehre unter dem Titel "Hörbigers Glacial-Kosmogonie" bekannt, an der er seit 1894 arbeitete. Durch Verallgemeinerung seiner Erfahrungen aus der Wärmetechnik erklärte er astronomische Erscheinungen auf der Grundlage von Eis, setzte sich damit von der modernen abstrakten Astronomie ab und gewann zahlreiche Anhänger insbesondere in den 1920er und 30er Jahren. So sollte die gesamte Milchstraße aus Eisbrocken bestehen, die in die Sonne stürzen und Protuberanzen verursachen; Sternschnuppen aus Eis zerschmelzen bei Eintritt in die Erdatmosphäre und verursachen dadurch Regen und Hagel; selbst der Mond bestand nach seiner Ansicht aus Eis. Zahlreiche pseudowissenschaftliche Vereine und Institute entstanden, etliche Repräsentanten des "Dritten Reiches" förderten diese Weltentstehungslehre, allen voran Heinrich Himmler innerhalb seiner SS-Forschungsstätte "Das Ahnenerbe e.V.", in die Philipp Fauth 1938 nebst Verleihung eines Professorentitels übernommen wurde. In wissenschaftlichen Fachkreisen wurde die Welteislehre kaum beachtet und von Anfang an durch Beobachtungen widerlegt. Ein zunächst nach ihm benannter Mondkrater wurde nach Henri-Alexandre Deslandres in Deslandres umgetauft.

Literatur

  • Nagel, Brigitte: Die Welteislehre. Ihre Geschichte und ihre Rolle im "Dritten Reich". Stuttgart: GNT-Verlag 2. Aufl. 2000 [1. Aufl. 1991], ISBN 3-928186-55-8.

Weblinks


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