Johann Joachim Winckelmann

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Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Werdegang

Johann Joachim Winckelmann (* 9. Dezember 1717 in Stendal, † 8. Juni 1768 bei Triest), deutscher Archäologe und Kunstschriftsteller, gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Archäologie. Ganz der Tatsache entspricht das aber nicht. Im Zeitalter des Renaissance-Humanismus haben wir Flavio Biondo als den eigentlichen Begründer zu sehen. Winckelmann ist fraglos bekannter und in seiner Nachwirkung ungleich bedeutender als der italienische Humanist.

Winckelmann, der Sohn eines Schusters, war dank eines Stipendiums in der Lage, in Halle (Saale) Theologie zu studieren. Später nahm er das Studium der deutschen Reichsgeschichte auf, damals ein eigener und blühender Studiengang. Seine Lieblingsthematik, die griechische Kunstgeschichte, hat er zeitlebens als Autodidakt betrieben, sich jedoch darin als Meister erwiesen. Nach kurzen Anstellungen als Lehrer und Erzieher wurde er 1748 Bibliothekar bei Heinrich Graf von Bünau in Dresden. In den dortigen Galerien konnte er seinen Sinn für bildende Kunst entwickeln. Ein grundlegendes Werk, das Winckelmann im Jahre 1755 herausgab, sollte für seine spätere Laufbahn von Bedeutung werden, die ihn in in den Dienst bei verschiedenen Kardinälen in Rom und schließlich die Oberaufsicht über die Altertümer in Rom und Umgebung einträgt, einbringen.

Tod

Im April 1768 reiste Winckelmann zurück nach Deutschland, wurde unterwegs jedoch von einem melancholischen Anfall überwältigt. Schließlich kam er über Wien nach Triest, wo er dem stadtbekannten Räuber Francesco Arcangeli zum Opfer fiel: dieser tötete Winckelmann mit fünf Messerstichen, um seiner Reisebörse habhaft zu werden. Arcangeli war in dem Hotel, wo Winckelmann logierte, dessen Zimmernachbar. Die Prozeßakten dieser für damalige Verhältnisse sehr akribisch durchgeführten Untersuchung des Tatherganges, liegen auch in deutscher Übersetzung vor. Winckelmann wurde in Triest begraben. Fast 60 Jahre nach dem Tathergang durch die Initiative von Dr. Domenico Rossetti wurde ihm ein Grabmonument errichtet. Rosetti wiederum war es auch, der ca. 40 Jahre nach dem Ereignis als erster sich um eine möglichst detailgetreue Darstellung des Tatherganges nach den Prozeßakten bemühte.

Werk und Bedeutung

Winckelmanns wichtigste Veröffentlichungen

1755 gab Winckelmann seine erste Schrift heraus: "Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in Malerei und Bildhauerkunst" (3 Bde., Dresden u. Leipzig). Dieses Werk enthält bereits fast alle seine späteren Ideen und Konzepte in einer formvollendeten Sprache. Hierauf erhielt er die Einladung zu einer Reise nach Rom, wo er nach kurzer Zeit als Bibliothekar bei Kardinal Archinto arbeitete, später in der gleichen Stellung bei Kardinal Albani, einem ebenso liberalen wie kunstbeflissenen Mäzen. Im Jahr 1763 wurde Winckelmann als erster Ausländer mit der Oberaufsicht über die Antiken in und um Rom beauftrag und verfasste in dieser Zeit u.a. Schriften zu den neuesten Ausgrabungen bei Herculaneum, die er interessiert verfolgte. 1764 schließlich konnte er sein Hauptwerk "Die Geschichte der Kunst des Altertums" (2 Quartbde., Dresden) herausgeben. Winckelmann stellte darin nicht lediglich die Geschichte der Kunst dar, sondern auch ein entwickeltes System der griechischen Kunst auf. Im Kern ist es eine Charakteristik des Stils der Plastik nach den Bestandteilen und nach Typen und Klassen des Idealschönen.

Winckelmanns Bedeutung für die Antikerezeption

Für Winckelmann ist es die höchste Aufgabe der Kunst, die Schönheit darzustellen ("edle Einfalt und stille Größe"). Winckelmanns Bild der römischen und griechischen Antike prägte sehr wesentlich den Geist des deutschen Klassizismus. Das besonders an den Formen ausrichtete Empfinden der Kunstwerke und ihre Rezeption bei Winckelmann wirkte sowohl bei Goethe als auch Schiller prägend. (Goethe war 1786 bis 1788 in Italien.) Wie prägend Winckelmann war, belegt Goethe mit seiner in Tübingen erschienenen Schrift von 1805 Winckelmann und sein Jahrhundert. Auch die Vorstellung, daß die Architektur und damit auch die Plastik weiß gewesen sei, geht letzten Endes auf Winckelmann zurück. Archäologisch hingegen läßt sich belegen, daß die Architektur in der Regel bemalt war. Auch in der Plastik haben wir keineswegs nur unbemalte Beispiele, sondern auch bemalte, die sich belegen lassen. Beispielsweise hierfür nennen läßt sich der sogenannte Kritios-Knabe.

Winckelmann gehörte auch zu den Personen, die Grabungen anmahnten, um das historische Olympia (Griechenland) freizulegen. Im Januar 1768 nahmen die Reisepläne Winckelmanns konkrete Formen an, jedoch brachte sein gewaltsamer Tod diese Initiative zum Erliegen. Erst in den Jahren 1875 bis 1881 begann unter der Leitung von Ernst Curtius durch das Deutsche Archäologische Institut die systematische Ergrabung. Die unter seiner Leitung wie auch der von Wilhelm Dörpfeld und Georg Treu erbrachten Ergebnisse, gaben Winckelmann postum hinsichtlich seiner Forderung der Ergrabung Olympias im vollstem Umfang Recht.

Werke

Werkausgabe

  • Schriften und Nachlaß:
    • Bd.IV,1: Geschichte der Kunst des Alterthums, Mainz 2003, Text, Erste Aufl. Dresden 1764; Zweite Auflage Wien 1776.

Literatur

Meilensteine der Literatur zu Winckelmann sind:

  • Goethe: Winckelmann und sein Jahrhundert, Tübingen 1805, mit Beiträgen von Meyer and Wolf
  • Justi, Winckelmann und seine Zeitgenossen, 2. Auflage, 3 Bde., Leipzig, 1898
  • Winckelmann, Johann Joachim, Briefe, 4 Bde., hrsg. v. Walther Rehm u. Hans Diepolder, Berlin: de Gruyter, 1952-1957.
  • Mordakte Winckelmann: die Originalakten des Kriminalprozesses gegen den Mörder Johann Joachim Winckelmanns (Triest 1768), aufgefunden und im Wortlaut des Originals in Triest 1964 / hrsg. von Cesare Pagnini ; übersetzt und kommentiert von Heinrich Alexander Stoll, (Winckelmann-Gesellschaft Stendal 1965), Berlin 1965. (Italienische Ausgabe: Gli atti originali del processo criminale por l'uccisione di Giovanni Winckelmann. 1964.)


Weblinks


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