Pierre Carlet de Marivaux

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Pierre Carlet de Marivaux, auch Pierre Chamblain de Marivaux (* 4. Februar 1688 in Paris; † 12. Februar 1763 ebd.) war ein französischer Schriftsteller.

Dieser hauptsächlich als Romancier und Dramatiker bekannte Autor ist einer der bedeutendsten französischen Literaten der 1720er bis 40er Jahre, d.h. der Periode der Frühaufklärung.

Die Herkunft des von ihm wohl erst ab 1716 verwendeten Namens 'de Marivaux' ist dunkel; der in Literaturgeschichten oder Lexika ebenfalls zu findende Name 'de Chamblain' war eigentlich der seines älteren Cousins, des Architekten J.-B. Bullet de Chamblain, und wurde von Marivaux allenfalls gelegentlich benutzt.

Er wurde geboren in Paris als Sohn des nichtadeligen mittleren Beamten Nicolas Carlet, der wenig später Münzdirektor in Riom wurde (der damaligen Hauptstadt der Auvergne); seine Mutter Marie Anne war Schwester des erfolgreichen Pariser Architekten Pierre Bullet und blieb zunächst auch mit den Kindern in Paris. Die Jugendjahre ab 12 verlebte er dann doch in Riom, wo er sein erstes Stück und einen ersten Roman verfasste.

Mit 22 kam er samt diesem Roman im Gepäck zurück nach Paris und schrieb sich für das Jurastudium ein. Offenbar aber hatte er in dem Zensor seines Romans, dem bedeutenden Frühaufklärer Fontenelle, zugleich einen Protektor gefunden, der ihn in Pariser Salons einführte. So dilettierte er, statt zu studieren, und verfasste z.B. einen Télémaque travesti, eine Parodie von Fénelons vielgelesenem Bildungsroman Les aventures de Télémaque (1699).

Zunächst offenbar nicht unvermögend, investierte er nach 1718 sein eigenes Geld sowie das seiner 1717 geheirateten Frau in Aktien der Compagnie de l'Occident, eine Bank- und Handelsgesellschaft, die in der Aufbruchstimmung während der Regentschaft (1715-1723) des Duc d'Orléans von dem schottischen Bankier John Law 1718 nach dem Vorbild der großen niederländischen und englischen Übersee-Handelsgesellschaften gegründet worden war.

Als 1720 die spekulativ überbewerteten Aktien der Compagnie in den Keller gingen und das "Lawsche System" zusammenbrach, waren auch Marivaux, seine Frau und seine 1718 geborene Tochter über Nacht arme Leute. Er machte nun offenbar noch sein Jura-Examen, begann dann aber doch keine Anwaltskarriere, sondern schrieb fleißig Theaterstücke, mit denen er relativ rasch Erfolg hatte.

Marivaux' Spezialität ist die Situation des unvermerkten und ungewollten Sich-Verliebens zweier Partner, und zwar insbesondere solcher, die zunächst durch große Standesunterschiede getrennt zu sein scheinen, sich dann gottlob jedoch als sozial gleichrangig und damit als passend erweisen (z.B. La Surprise de l'amour, 1722; La double inconstance, 1723; Le Prince travesti, 1723; Le Jeu de l'amour et du hasard, 1730). Daneben behandelt er genuin aufklärerische Themen, so z.B. in L'Ile des esclaves (1725), wo er zeigt, wie zufällig und ungerecht in der Kastengesellschaft der Zeit die Diener- und die Herrenrollen verteilt sind; oder in L'Ile de la Raison, wo er sehr vernünftige "Wilde" mit sich als sehr unvernünftig und vorurteilsvoll erweisenden Europäern konfrontiert.

1727 (inzwischen war er Witwer) begann Marivaux den Roman La Vie de Marianne, in dem ein Findelkind nur aufgrund seiner Qualitäten (Schönheit, Geist, Gefühl und Tugend) von einem Adeligen geheiratet werden und so in den Adel aufsteigen sollte – bis wohin der Autor aber noch lange nicht gelangt war, als er 1741 nach vielen hundert Seiten aufgab und abbrach, vermutlich weil er das Utopische seines Vorhabens erkannte (und vielleicht auch, weil ihm gerade klar wurde, dass er seine eigene Tochter in Ermangelung einer ordentlichen Mitgift wohl nur Nonne werden lassen konnte, was 1745 auch geschah). 1735 schrieb er an dem Roman Le Paysan parvenu, der die Geschichte vom Aufstieg eines jungen Dörflers bis zum reichen Bankier erzählen sollte, aber ebenfalls auf halber Strecke stecken blieb.

Neben Theaterstücken und Romanen verfasste Marivaux immer wieder auch zeitschriftenartige Feuilletonserien nach dem Vorbild des 1711 von Joseph Addison in London gegründeten Spectator: Lettres sur les habitants de Paris (1717/18), Le Spectateur français (1721-24), L'indigent philosophe (1726) und Le Cabinet du philosophe (1734). 1742 wurde er schließlich Mitglied der Académie française und kurz darauf ihr Secrétaire perpétuel. Dessen Funktionen bildeten bis hin zum Tod seinen Lebensinhalt, nicht ohne ihm zugleich Dienstwohnung, adelsähnliche Privilegien und erfreuliche Prestigemöglichkeiten zu verschaffen.

Die besondere Leistung des Theaterautors Marivaux war die Übertragung der spielerisch-eleganten Sprache der Pariser Salons seiner Zeit in seine Stücke, die entsprechend auch nicht in Versen, sondern in Prosa verfasst sind. Nachdem diese Sprache sich spätestens mit der Revolution von 1789 überlebt hatte, erschien Marivaux' Stil den Romantikern nur noch als manieriertes "marivaudage". Ende des 19. Jahrhunderts jedoch wurde diese negative Sicht revidiert, und Le Jeu de l'amour et du hasard zählt seitdem wieder zu den meistgespielten französischen Komödien. Auch die Romane La Vie de Marianne und Le Paysan parvenu gelten, obwohl sie beide unvollendet geblieben sind, als zwei der besten und lesenswertesten französischen erzählenden Werke des 18. Jh.

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