Pierre Corneille

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Pierre Corneille (* 6. Juni 1606 in Rouen; † 1. Oktober 1684 in Paris) war ein bedeutender Dramatiker der französischen Klassik. Sein Bruder war Thomas Corneille.

Pierre Corneille

Inhaltsverzeichnis

Der Jurist

Wie sein Bruder genoss Pierre eine jesuitische Erziehung. 1629 führte er bereits erste Theaterstücke am Pariser Theater "Marais" auf. Durch den Erfolg der Komödie "Mélite" ermutigt, verlegte er seinen Wohnsitz zunächst nach Paris. Dort studierte er Rechtswissenschaft und arbeitete schließlich in verschiedenen Ämtern in seiner Geburtsstadt Rouen.

Mit "Le Cid" zum Erfolg

Bereits 1636 organisierte sein Mäzen, der Kardinal Richelieu, mit ihm eine Gruppe von fünf Dramatikern, welche sich mit der Gestaltung und Zensur der dramatischen Werke befassen sollten. Später wich Corneille stärker von den dogmatischen Vorgaben des Kardinals ab und ließ den Vertrag auslaufen.

Einen triumphalen Erfolg erzielte Corneille 1637 mit seinem bedeutendsten Stück, der Tragikomödie "Le Cid", die einen Meilenstein in der Entwicklung des klassischen französischen Dramas und in der Literatur des 17. Jahrhunderts bedeutete, obwohl ihm in der darauf folgenden literarischen Fehde, der Querelle du Cid, folgendes vorgeworfen wurde: Er habe die "Regel von den drei Einheiten" von Ort, Zeit und Handlung nicht konsequent benutzt und seine Figuren seien psychologisch unwahrscheinlich, da er z. B. seine Heldin Chimène Liebe für den Mörder ihres Vaters empfinden ließ. Das Publikum hielt in dem Streit zu ihm, aber den Kritikerspott nahm er sich gleichwohl zu Herzen.

Dementsprechend hielt sich Corneille in seinen nächsten Tragödien, "Horaze", (1640), "Cinna ou la clémence d´Auguste", (1641), und "Polyeucte", (1643), verstärkt an die Regel der drei Einheiten. Nunmehr schloss er den Zufall als tragendes Element der Handlung aus, da sich diese allein aus dem inneren und äußeren Notwendigkeiten sowie aus den Charakteren der jeweiligen Persönlichkeiten ergeben sollte. Man kann seine "Helden" als heroische Willensmenschen interpretieren, welche die Auseinandersetzung zwischen Pflicht und Leidenschaft in sich tragen. Dabei wird der Konflikt jedoch stets zugunsten einer "idealen, sittlichen Ordnung" entschieden.

Spätwerk

In seinem Spätwerk entfernte sich Corneille immer stärker von seinen großen Tragödien und wendet sich einem regelrechten "Schauerstück"-Stil mit melodramatischen Elementen zu, mit denen er gerade wie bei "Rodogune" dennoch Erfolge beim Publikum verzeichnen konnte.

Der Dramatiker versuchte sich ebenfalls an einigen Abhandlungen zur Dramenlehre. 1647 nahm ihn die Académie Française in ihre Reihen auf. Da ihm Ludwig XIV. eine Rente aussetzt, die an den ständigen Wohnsitz in der Hauptstadt gebunden war, wohnte er von nun an in Paris.

Sein letztes Lebensjahrzehnt wurde durch die Niederlage überschattet, die er bei einem Tragödien-Wettstreit gegen Jean Racine und dessen Bérénice erlitten hatte. Als Corneille starb, würdigte ihn ausgerechnet der einstige Rivale:

"Unter der Regierung des größten Königs blühte mit Corneille der berühmteste aller Dichter auf".

Werke

  • Mélite, 1629
  • Clitandre, 1630
  • La Place Royale, 1634
  • Médée, 1635
  • L'Illusion comique, 1636
  • Le Cid, 1636/1637
  • Horaze, 1640
  • Cinna ou la clémence d´Auguste, 1641
  • Polyeucte, 1643
  • La Mort de Pompée, 1643
  • Le Menteur, 1643
  • Rodogune, 1645
  • Héraclius, 1647
  • Andromède, 1650
  • Nicomède, 1651
  • Pertharite, 1651
  • Oedipe, 1659
  • Trois Discours sur le poème dramatique, La Toison d'or, 1660
  • Sertorius, 1662
  • Othon, 1664
  • Agésilas, 1666
  • Attila, 1667
  • Tite et Bérénice, 1670
  • Psyché, 1671
  • Suréna, 1674

Zitate

  • "Risikolos gewinnen heißt ruhmlos siegen."
  • "Ein Lügner muß ein gutes Gedächtnis haben."
  • "Die Art, wie man gibt, bedeutet mehr, als was man gibt..."
  • "Jeder Augenblick im Leben ist ein Schritt zum Tode hin."
  • "Wer alle Macht hat, muss auch alles fürchten."
  • "Man lindert oft sein Leid, indem man es erzählt."

Literatur

  • Forestier, Georges: Essai de génétique théâtrale : Corneille à l'oeuvre, Paris : Klincksieck 1996, 387 S., ISBN 2-252-03059-3
  • Goulet, Angela S.: L'univers théâtral de Corneille : paradoxe et subtilité héroiques, Cambridge, Mass. 1978, 219 S., ISBN 0-674-92928-4
  • Mittag, Wolfgang: Individuum und Staat im dramatischen Werk Pierre Corneilles, Diss. Münster 1976, 447 S.
  • Ritter, A.: Bibliographie zu Corneille, 1958-1983, Erftstadt 1983
  • Turk, Horst: Theater und Drama - theoretische Konzepte von Corneille bis Dürrenmatt, Tübingen : Narr 1992, 429 S., ISBN 3-87808-388-2

Weblinks

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