Rolf Hochhuth

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Rolf Hochhuth (* 1. April 1931 in Eschwege) ist ein deutscher Dramatiker. Kaum ein anderer deutscher Autor hat die Spaltung Deutschlands so engagiert beklagt wie er, zumal "hinter seinem Geburtshaus" nach Kriegsende der "Eiserne Vorhang" fiel.

Aufsehen erregte Hochhuth insbesondere durch sein Drama Der Stellvertreter, das 1963 durch Erwin Piscator in Berlin uraufgeführt wurde. Es befasst sich erstmals kritisch mit der Haltung des Papstes Pius XII. gegenüber dem Holocaust.

Durch einen Artikel in der Wochenzeitung Die Zeit entfachte er die Diskussion um die Vergangenheit von Hans Filbinger, der schließlich 1978 als Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg zurücktrat und auch alle übrigen Ämter niederlegte.

In dem halb fiktiven Drama Alan Turing schreibt Hochhuth einfühlsam über den Vater des Computers Turing, der durch großes kryptoanalytisches Talent befähigt war, Maschinen zu bauen, welche Funksprüche des Nazi-Wehrmacht automatisch und kriegsentscheidend entschlüsseln konnten. Hochhuth bringt Turing mit all seinen Widersprüchen auf die Bühne. Turing wurde wegen Homosexualität verurteilt und starb wahrscheinlich durch Zyankali-Suizid.

Rolf Hochhuth und David Irving

Sein 1967 uraufgeführtes Drama "Soldaten, Nekrolog auf Genf" stützte sich wesentlich auf Studien des damals noch unbekannten britischen Publizisten David Irving, der später als gerichtsnotorischer Holocaustleugner weltbekannt bekannt wurde. In diesen frühen Werken Irvings wurde der Alliierte Bombenkrieg als Kriegsverbrechen dargestellt.

Im März 2005 geriet Rolf Hochhuth in die Schlagzeilen, weil er im Interview mit der rechtsnationalen Wochenzeitung Junge Freiheit den britischen Privat-Historiker David Irving - der in Deutschland mit einem Einreiseverbot belegt ist - gelobt und verteidigt hatte. Wörtlich sagte Hochhuth: "Irving ist ein fabelhafter Pionier der Zeitgeschichte, der großartige Bücher geschrieben hat. Ganz zweifellos ein Historiker von der Größe eines Joachim Fest. Der Vorwurf, er sei ein Holocaustleugner, ist einfach idiotisch!" (Junge Freiheit 08/05, 18. Februar 2005). Gegenüber dem Berliner Tagesspiegel hatte Hochhuth die Parteinahme einen Tag später bekräftigt. Hier sagte er, dass Irving „sehr viel seriöser (sei) als viele deutsche Historiker“. Das Einreiseverbot für Irving führte er auf „Verleumdung“ zurück. Irving, mit dem er eine persönliche Freundschaft pflege, sei ein "ehrenwerter Mann" (Der Tagesspiegel, 19. Februar 2005). Nur widerwillig und unter massivem Druck der Öffentlichkeit, insbesondere des Zentralrats der Juden, rückte Hochhuth eine Woche später von seinen Stellungnahmen ab und entschuldigte sich - nachdem er zuvor noch jedes Wort der Reue abgelehnt hatte. Er habe nicht den Rechten das Wort reden und die Gefühle der jüdischen Bürger verletzen wollen. Die späten Äußerungen David Irvings seien ihm nicht bekannt gewesen (dpa, 26. Februar 2005). Warum Hochhuth über aktuellere Arbeiten eines "Freundes" nicht informiert gewesen sein will, bleibt unklar, zumal im Jahre 2000 genau zu diesem Thema in England ein Prozess stattfand, über den täglich in den Medien berichtet wurde. Auch die Behauptung, er habe nicht gewusst was die Junge Freiheit für eine Zeitung sei, ist zumindest kurios, hatte er doch bereits im Jahr 1998 einen Artikel für sie geschrieben (Nachruf auf Ernst Jünger, JF 10/98, 27.2.1998) und im Jahr 2000 ein ausführliches Interview erteilt (Gespräch über Konservatismus, Bismarck und Martin Walser, JF 43/00, 20.10.200).

Dass sich ausgerechnet Hochhuth in dieser Weise für eine Symbolfigur der extremen Rechten einsetzte, gilt vor dem Hintergrund seiner Vita als besonders pikanter Vorgang.

Werke

  • 1963 Der Stellvertreter
  • 1967 Soldaten, Nekrolog auf Genf
  • 1979 Juristen
  • 1980 Judith
  • 1980 Ärztinnen
  • 1984 Unbefleckte Empfängnis
  • 1993 Wessis in Weimar
  • 2004 McKinsey kommt

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