Der Reigen

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Der Reigen ist ein Bühnenstück von Arthur Schnitzler. In zehn Dialogen versucht Schnitzler ein moralisches Bild der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhundert zu zeichnen. Er selbst schrieb darüber: Geschrieben hab ich den ganzen Winter über nichts als eine Szenenreihe, die vollkommen undruckbar ist, literarisch auch nicht viel heißt, aber nach ein paar hundert Jahren ausgegraben, einen Teil unserer Kultur eigentümlich beleuchten würde.

Die zehn Hauptfiguren treten jeweils paarweise auf, beginnend mit der Dirne und dem Soldaten. Danach wird immer einer der Handelnden ausgewechselt, langsam der gesellschaftlichen Rangordnung folgend. So ergeben sich folgende Konstellationen:

  • Dirne-Soldat
  • Soldat-Stubenmädchen
  • Stubenmädchen-junger Herr
  • junger Herr-junge Dame
  • junge Dame-Ehemann
  • Ehemann-süßes Mädel
  • süßes Mädel-Dichter
  • Dichter-Schauspielerin
  • Schauspielerin-Graf
  • Graf-Dirne

Durch die letzte Beziehung schließt sich der Reigen, er kann theoretisch endlos fortgesetzt werden. Die Szenen beschreiben die Handlungen vor und nach dem Liebesakt, der Koitus selbst wird durch Gedankenstriche ausgespart. Verbunden mit dem gesellschaftlichen Aufstieg ist auch eine Steigerung der Komplexität der Affären. Die Dirne und der Soldat kommen relativ schnell zur Sache, während etwa bei junger Mann-junge Frau romantische Verführungsversuche zu erkennen sind. Dementsprechend werden die Szenen auch von Mal zu Mal länger.

Der Reigen ist keine Liebesgeschichte, die Paare finden nur durch Verführung oder Machtausübung zueinander. Die Handelnden befürchten meist dass ihre Affären ans Licht kommen, nur der Graf kann es sich erlauben relativ offen zur Dirne zu gehen. Schnitzler kritisiert jedoch nicht nur den Unterschied zwischen den Handlungen der Einzelnen, und der öffentlichen Moralvorstellung. In der Szene Stubenmädchen-junger Herr erkennt man etwa dass der bessergestellte Herr das Stubenmädchen nur aus Langeweile an einem ereignislosen Nachmittag verführt. Dazu passt auch, dass die Personen nicht durch Namen bezeichnet werden.

Arthur Schnitzler schrieb Der Reigen 1896/97 und ließ ursprünglich nur 200 Exemplare für Freunde produzieren. Als das Stück dann 1902 in Berlin uraufgeführt wurde kam es zu einem Skandal. Die Schauspieler wurden verhaftet und mussten sich vor Gericht verantworten. Als der Reigen in Wien, Berlin und München für Unruhen sorgte, ließ Schnitzler sämtliche Aufführungen bis 1982 verbieten.

Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Der Reigen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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