Ding an sich

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Das Ding an sich bezeichnet einen Grundbegriff der Philosophie insbesondere bei Immanuel Kant, mit dem allgemein das Ding als Gegenstand der Erkenntnis in seiner Unabhängigkeit von dieser und im Unterschied zur Art und Weise, wie es in ihr (durch Wahrnehmung und Denken) gegeben ist, umschrieben wird.

Inhaltsverzeichnis

Zur Unmöglichkeit des Erkennens des "Dings an sich" bei Kant

Nach dem Vorgang von Johann Heinrich Lambert, der an jeder Sache (jedem Ding) unterscheidet, "wie sie an sich ist" und "wie wir sie empfinden, vorstellen" (Lambert, Neues Organon, I, § 20 52), entwickelt Kant die Lehre, dass alles, was im Erkenntnisprozess wahrgenommen und gedacht wird, bloße Erscheinung ist, die allerdings in der Wirklichkeit eine Entsprechung hat. Die Existenz dieser Entsprechung ist gewiß (die Erscheinung ist also nicht etwa nur scheinbar), deren Erkenntnis aber unmöglich; er nennt sie "das Ding an sich". "...es sind uns Dinge als außer uns befindliche Gegenstände unserer Sinne gegeben, allein von dem, was sie an sich sein mögen, wissen wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen"(in: Prolegomena § 13 II).

Zur Mehrdeutigkeit der Begriffsanwendung bei Kant

Der Gebrauch des Ding-an-sich-Begriffs ist bei Kant nicht eindeutig. Einmal wird das Ding an sich im Sinne eines außerhalb des Bewußtseins existierenden erkennbaren, zum anderen als notwendiger Gedanke eines nur vorgestellten Seins (Ding an sich als Gedankending) gefaßt(in: Prolegomena § 57). Letzteren Gedanken erweiternd, setzt Kant das Ding an sich auch mit dem noumenon Platons gleich (in: Prolegomena § 32-35).

Im anderen Zusammenhang wird das Ding an sich negativ als leerer Gedanke (eine Auffassung, die vor allem im Neukantianismus Schule gemacht hat), dann aber wieder positiv als Gegenbegriff zur Erscheinung (eine Auffassung, die als Problem in der klasssichen deutschen Philosophie eine Rolle spielte) bestimmt. Schließlich wird das Ding an sich von Kant als Grenzbegriff vorgestellt, der die Erkenntnis auf die Erfahrung festlegen und Grenzüberschreitungen ihrerseits ins Übersinnliche verhindern soll (in: Prolegomena § 57-60).

Das Ding an sich bleibt bei Kant der Vernunft aus Mangel an Potenz verschlossen

An anderer Stellen des Kantschen Werkes klingt eine Auffassung durch, die das Ding an sich als "ewige Aufgabe" hinstellt, deren Lösung der menschlichen Vernunft im fortschreitenden Prozess der Erkenntnis obliegt, deren Verwirklichung jedoch außerhalb des Vermögens (d.h. außerhalb der Möglichkeiten) der Vernunft liegt. Daneben verwendet Kant den Begriff in der Einzahl (Ding an sich) und Mehrzahl (Dinge an sich), ohne für diese Unterscheidung eine Begründung zu liefern.

Zum Schwanken von Kant zwischen idealistischen und materialistischen Momenten der Auffassung

Die Ding-an-sich-Lehre bringt, geht man auf ihr Wesen ein und sieht von den Inkonsequenzen der Verwendung des Ding-an-sich-Begriffs innerhalb der Kantschen Philosophie ab, deutlich das Schwanken Kants zwischen Idealismus und Materialimus zum Ausdruck. Indem Kant "das Ding an sich" außerhalb des Bewußtseins existierend anerkennt, gibt er seiner Philosophie eine Wendung zum Materialismus. Indem Kant jedoch im weiteren das "Ding an sich" für unerkennbar hält und den Bereich möglicher Erkenntnis auf die Erscheinung einschränkt, gibt er seiner Erkenntnislehre eine Wendung zum philosophischen Agnostizismus und seiner Philosophie insgesamt in letzter Instanz einen subjektiv-idealistischen Charakter.

Die Ding-an-sich-Lehre und ihre Problematik resultiert zunächst aus der Tatsache der Nichtbewältigung des Erkenntnisproblems durch Kant. Kant legt seiner Erkenntnislehre den Erkenntnisbegriff der mathematischen Naturwissenschaft des 17. und 18. Jahrhunderts zugrunde und verabsolutiert ihn. Insofern erscheint ihm alles das als unerkennbar, was nicht mit den methodischen Mitteln der mathematisch-mechanistischen Naturerkenntnis erkannt werden kann, wie zum Beispiel die Entwicklung der Organismen.

Das Urteil von Kant in der Auffassung der zeitbedingten Kenntnisse und Behaftungen

Diese Verabsolutierung des Erkenntnisideals der Zeit verführt Kant sowohl zu der undialektischen Gegenüberstellung von "Ding an sich" und Erscheinung und als auch dazu, den Wissensstand seiner Zeit in methodischer Hinsicht unhistorisch für etwas Fertiges, Unveränderliches, Abgeschlossenes zu halten. Die Ding-an-sich-Lehre ist so untrennbar mit einem bestimmten Entwicklungsstand der Wissenschaften, dem der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, verbunden und von diesem aus historisch zu verstehen und zu erklären.

Wenn daher seit dem Neukantianismus in der Philosophie der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart immer wieder Versuche zur Neubelebung der Kantschen Lehre vom "Ding an sich" unternommen werden, so ist das schon infolge des weiteren Fortschreitens der menschlichen Erkenntnis seit dem 18. Jahrhundert theoretisch ein Rückschritt.

Das Ding an und für sich bei Hegel

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