Corona Schröter

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Corona Schröter

Corona Schröter (* 14. Januar 1751 in Guben; † 23. August 1802 in Ilmenau) war Sängerin und Schauspielerin.

Corona Schröter wurde als erstes Kind von Johann Friedrich Schröter und dessen Gattin Marie Regine geboren. Ihr Bruder war Johann Samuel Schröter (1752-1788), der 1782 Johann Christian Bachs Nachfolger als Music Master der Königin in London wurde. Nachdem die Familie nach Leipzig zog, lernte sie dort Goethe kennen, welcher sogleich von ihr beeindruckt war.

Corona Schröter war bis 1786 Mitglied von Goethes Liebhabertheater, unter anderem war sie die erste Darstellerin der Iphigenie. Ab 1788 zog sie sich immer mehr vom höfischen Leben zurück, bis sie 1802 im Sächsischen Hof in Ilmenau in Anwesenheit ihrer langjährigen Freundin Wilhelmine Probst verstarb.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen

Wie sah Corona aus, die den Dichter Goethe jahrelang in seinen Bann hielt? Nach der Beschreibung von einem Brustbild aus der ersten Weimaer Zeit der damals 26jährigen Künstlerin hatte sie einen anmutigen und geistvollen Kopf. „Unter den sanft gewölbten Brauen erglänzte ein Paar hellbrauner Augen von seltener Tiefe und reinster Klarheit. Die Nase war kräftig, aber fein geschnitten, die vollen Lippen von auffallender Lieblichkeit, das Kinn fest und abgerundet. Das ganze Gesicht schien bei all seiner fast kindlichen Naivität durchgeistigt und von wahrhaft künstlerischer Formenschönheit. In ihrer ganzen Erscheinung war Corona von hohem, junonischem Wuchse und edelstem Ebenmasse mit einem fast südländischen etwas dunklen Teint , einem Adel der Haltung und einer Grazie der Bewegung, dass ihr Auftreten geradezu bestrickte, kurz, sie war eine itailenische Schönheit und als Künstlerin ebenso gross angelegt wie geistvoll tief empfindend."

Das Leben der Corona Schröter

Corona Schröter wurde als erstes Kind des Hoboisten Johann Friedrich Schröter und dessen Gattin Marie Regine am 14. Januar 1751 in Guben geboren. Später siedelte die Familie nach Leipzig um. Sie war bereits mit 14 Jahren im „Grossen Konzert" aufgetreten. Sie rückte bald an die erste Stelle auf und war der gefeierte Liebling aller Kunstliebhaber. Obwohl sie vielfach umworben wurde, fand kein Anbeter Erhörung. Um so inniger gestaltete sich das Freundschaftsverhältnis zu Wilhelmine Probst, welche ihr bis zu ihrem Tod nicht von der Seite wich. Am Weimaer Hof wurde 1776 von der Mutter des jungen Herzogs Carl August, Anna Amalia, mit der Bereitwilligkeit Goethes ein Liebhabertheater eingerichtet. Für die musikalischen Rollen gewann Goethe Corona Schröter aus Leipzig..

Coronas Erfolg in Weimar war durchschlagend. Innerhalb kurzer Zeit hatte sie alle Herzen im Sturm erobert - bis auf das von Charlotte von Stein, die kühl und reserviert blieb. Das Liebhabertheater, dem Corona sechs Jahre lang als Star angehörte, erreichte 1783 sein Ende. Corona blieb als Kammersängerin in Weimar und beschäftigte sich auch mit Malerei. Sie zeichnete und malte Pastell und in Öl. Auf einer Ausstellung 1787 in Weimar fanden ihre Bilder allgemeine Anerkennung. Von ihren Kompositionen veröffentlichte sie Liedersammlungen.

Im Jahre 1788 zog sich Corona immer mehr vom Hofleben zurück. Die wachsende Entfremdung zu den Kreisen, welche sie einst gefeiert hatten und eine sich steigernde Kränklichkeit ließen sie in Ilmenau ihr letztes Asyl aufschlagen. Die Krankheit verschlimmerte sich und am 23.August 1802 entschlief sie 51jährig in den Armen ihrer Freundin Wilhelmine Probst. Das erst schmucklose und später verfallene Grab auf dem Ilmenauer Friedhof erhielt erst 1902, 100 Jahre nach ihrem Tod, die heute bestehende Grabplatte.


Verhältnis zu Goethe

Goethe lernte die junge Künstlerin bereits während seines Studienaufenthaltes in Leipzig kennen. Bereits damals machte die vielbewunderte Schönheit großen Eindruck auf Goethe. Er war „hochentzückt" über „ihre schöne Gestalt, ihr vollkommen sittliches Betragen und ihren ernsten, anmutigen Vortrag." Das Tagebuch Goethes, in welchem die Gefeierte „Crone" genannt wird, gibt über das eigenartige Verhältnis zwischen dem Dichter und der Sängerin nur knappe Auskunft. Da heisst es zum Beispiel im Jahre 1777: 8.Mai: „Crone den ganzen Tag im Garten", 24. Mai: „War Crone früh und zu Tisch da", 19. Juli: „Früh Crone gezeichnet", 6. Januar : Bis 10 Uhr bei Cronen. Nicht geschlafen. Herzklopfen und fliegende Hitze". Nach allem, was man über Coronas Persönlichkeit weiß, muß angenommen werden, daß ihrerseits das Verhältnis zu Goethe mehr von der idealen Seite aufgefaßt wurde. Seine sinnliche Leidenschaft fand durch das gleichzeitige Verhältnis zu Frau von Stein immer neue Nahrung. Goethe schrieb noch aus Leipzig an Charlotte: „ Die Schröter ist ein Engel - wenn mir doch Gott so ein Weib bescheren wollte, dass ich Euch könnt`in Frieden lassen."

Ende 1781 war der Sieg der Frau von Stein entschieden. Das beweisen Verse wie:

„Den einzigen, Lotte, welchen Du lieben kannst,
Forderst Du ganz für Dich und mit Recht.
Auch ist er einzig Dein."

Und Briefe wie:

„Meine Seele ist an Dich festgebunden, Deine Liebe ist das schönste Licht meiner Tage, Dein Beifall ist mein bester Ruhm, und wenn ich einen guten Namen von aussen recht schätze, so ist`s um Deinetwillen, dass ich Dir keine Schande mache."

Das Tagebuch berichtet vielsagend:

„November: Glück durch Frau von Stein, hielt sorgfältig auf meinen Plan" „Dezember: Mit Frau von Stein still und vergnügt gelebt"

Sein Verhältnis zu Corona Schröter beschränkte sich von da ab in der Hauptsache auf die Vorbereitungen und Aufführung der Theatervorführungen.

Nach ihrem frühen Tod hatte Goethe für die einst Heißgeliebte nur ein paar frostige Worte: "Indes auf unserer Bühne die Kunst in jugendlich lebendiger Tätigkeit fortblühte, ereignete sich ein Todesfall, dessen zu erwähnen ich für Pflicht halte. Corona Schröter starb, und da ich mich gerade nicht in der Verfassung fühle, ihr ein wohlverdientes Denkmal zu widmen, so schien es mir angenehm wunderbar, dass ich ihr vor so viel Jahren ein Andenken stiftete, das ich jetzt charakteristischer nicht zu errichten gewusst hätte."


Gedicht „Miedings Tod"

Goethe selbst widmet der Künstlerin folgende Verse aus dem Gedicht „Auf Miedings Tod", das gwissermaßen eine Huldigung des genial-frohen Treibens des Liebhabertheaters darstellt.

„Ihr Freunde Platz! Weicht einen kleinen Schritt!
Seht, wer da kommt und festlich näher tritt!
Sie ist es selbst; die Gute fehlt uns nie;
Wir sind erhört, die Musen senden sie.
Ihr kennt sie wohl; sie ist`s, die stets gefällt;
Als eine Blume zeigt sie sich der Welt;
Zum Muster wuchs das schöne Bild empor,
Vollendet nun, sie ist´s und stellt es vor.
Es gönnten ihr die Musen jede Gunst,
Und die Natur erschuf in ihr die Kunst.
So häuft sie willig jeden Reiz auf sich,
Und selbst dein Name ziert, Corona, dich.
Sie tritt herbei. Seht sie gefällig stehn!
Nur absichtslos, doch wie mit Absicht schön.
Und hoch erstaunt seht ihr in ihr vereint
Ein Ideal, das Künstlern nur erscheint."

Übrigens erregte das Gedicht ungeheures Aufsehen. Goethe schreibt an Frau von Stein als Entschuldigung: „Ich habe der Schröter zu Ehren zwölf Verse darin, die Du, hoff` ich, schön finden und in allem Sinne damit zufrieden sein wirst." Zu Knebel bemerkt er: „ Ich bin mir noch keiner so schönen Sensation bewusst, als dieses Gedicht in unserem Kreise gemacht hat, und wünsche, dass es bei Dir auch anschlagen möge."

Der Herzog schreibt an Knebel zu Goethes Verhältnis zu Corona Schröter:

„ Mieding ist fertig, und Corona bekommt darin einen unverwelklichen Kranz. Schade, dass der Minnesold in neuren Zeiten so teuer ist; wäre er es weniger, gewiss, sie könnte Goethen nicht anders als mit ihrer Person danken; o, wie wollten wir nicht noch in unsren alten Tagen Verse machen lernen." Aus diesen Worten spricht außer Bewunderung die Gewißheit über die jungfräuliche Makellosigkeit Coronas, was für die Beurteilung des Verhältnisses zu Goethe wichtig ist.

(aus: Paul Pasig; "Ilmenau, Goethe und Corona Schröter" 1911)


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